Leichte Sprache
Ausstellung

Stranger Than Paradise

15. März 2026 - 7. Juni 2026
Ausschnitt der Bildcollage, die als Teppich bei der OLMA 2025 das Zentrum der Sonderschau des open art museum, St.Gallen bildete und nun als Titelmotiv der Ausstellung "Stranger Than Paradise" dient.

Der Teppich wird ein zweites Mal ausgerollt: Im Zentrum von Stranger Than Paradise steht die monumentale Bildcollage aus der Olma-Sonderschau 2025. Im Museum erscheint der Teppich in einem neuen Kontext zwischen paradiesischer Harmonie und gebrochener Idylle.

 

Die Motive der Teppich-Collage stammen aus der Museumssammlung und sind in der Ausstellung im Original zu sehen. Ergänzt werden sie durch weitere Werke, die das Thema «Paradies» in vielfältigen Varianten aufgreifen: verklärte Natur, Idealisierungen bäuerlichen Lebens, Sehnsuchtsbilder, aber auch Irritationen und Brüche. In der Zusammenschau bekommt das scheinbar Vertraute Risse; Harmonie kippt ins Absurde, das Idyll wird brüchig. So entsteht kein einheitliches Bild des Paradieses, sondern eine vielstimmige Collage – wie der Teppich selbst.

Der Titel Stranger Than Paradise verweist auf diese Ambivalenz: Das Paradies erscheint als kulturelles Motiv und als Projektionsfläche individueller Bildwelten – als Sehnsuchtsort, Rückzugsraum und Bühne überbordender Fantasie, zugleich aber auch als fragile Fiktion. In der Naiven Kunst und der Art Brut ist das Paradiesische ein wiederkehrendes Motiv, auch als ein Sehnsuchtsort zur inneren Zuflucht.

Die Ausstellung hinterfragt die Vorstellung vom Paradies als harmonisches Naturidyll, als ideales Paar oder himmlischen Ort. Sie zeigt: Das Paradies ist eine fragile Fiktion. Zu sehen sind unter anderem Werke von Pietro Angelozzi, Anny Boxler, Aloïse Corbaz, Emil Graf, Hans Krüsi, und Konrad Zülle.

Im Kabinett zeigt die Textilforscherin Thessy Schoenholzer Nichols textile Miniaturgärten. Prachtvoll gestaltet, drehen sie sich glitzernd und funkelnd im Licht. Ihre Schatten lassen die Gärten wachsen und füllen den Raum. Hier kann man sich in der Illusion eines Paradieses verlieren. Der Hortus conclusus ist ein geschützter Ort der Reinheit und Schönheit. Im heutigen Verständnis eines Mindfulness Garden dient er dem Rückzug in kontemplativer Stille.

Die Teppich-Collage entstand für die Sonderschau des open art museum an der Olma 2025 und wurde von Studierenden und Ehemaligen der Höheren Fachschule für Gestaltung GBS St.Gallen entworfen, unter der Leitung von Markus Pawlick, Lehrgangsleiter HF Produktdesign.

Tickets

Hortus conclusus

Hortus conclusus ist der lateinische Begriff für «geschlossener Garten», der in Kunst und Literatur vom Mittelalter bis zur Renaissance oft als symbolischer Begriff für die Reinheit und den Schutz der Jungfrau Maria verwendet wurde. Die Gartenkultur ist uralt, seit Urzeiten kultivieren die Menschen Pflanzen als Nahrungsmittel und Medizin. Im alten Persien war der eingezäunte Garten, also der Garten innerhalb einer Mauer, eine hoch geschätzte Kunstgattung, die viel Pflege und Aufmerksamkeit erforderte. Diese Oasen waren auch eine wichtige Form des höfischen und klösterlichen Lebens im Mittelalter. Es waren abgeschiedene Gärten, in denen man flanieren, beobachten und ausruhen konnte. Farben, Formen, Düfte, Klänge und Berührungen spielen in diesen Gärten, die alle Sinne ansprechen, eine wichtige Rolle. Hier wachsen prächtige Blumen, perfekte Früchte und heilende Kräuter, alles unter dem Einfluss von sauberem, klarem Wasser. Ein Paradies auf kleinstem Raum.

Biographie

Thessy Schoenholzer Nichols wurde in Basel geboren. 1976 ging sie nach New York und arbeitete am Costume Institute des Metropolitan Museum of Art, Museum of the City of New York und anderen amerikanischen Museen. Seit 1984 ist sie in Italien als Kuratorin, Konservatorin und Ausstellungsgestalterin in der Galleria del Costume, Palazzo Pitti (Florenz), im Palazzo Braschi (Rom), und im Museo della Moda (Gorizia), sowie in anderen Museen tätig. Ausserdem unterrichtete sie Design und Textilgeschichte an den Universitäten von Florenz, Triest und Rimini. 

Ihre Forschungsschwerpunkte sind Mittelalter und Renaissance-Grabkleider, u.a. von Eleonora von Toledo, der Malatesta, und der Della Rovere Familien, Osanna Andreasi, aragonesische Grabkleider aus Neapel, sowie 17. bis 19. Grabfunde aus den Marken und Emilia Romagna. Thessy Schoenholzer Nichols hat sich auch auf die Geschichte der Spitze und ihre Herstellung spezialisiert und wurde 2016 ins Textilmuseum St.Gallen berufen, um die dortige aussergewöhnliche Spitzensammlung zu bearbeiten. Neben ihrer Forschungstätigkeit ist sie Haute Couture Stickerin und kreiert Arbeiten in der Klöppeltechnik, die sie in Europa ausgestellt hat. Seit 2019 lebt sie in Basel und arbeitet seit 2022 als Kuratorin in der Galerie Praxis, Basel.

Interviews

Der Designer Markus Pawlick ist Lehrgangsleiter für Industrial Design am GBS, der Höheren Fachschule für Gestaltung, St.Gallen. Unter seiner Leitung entwickelten Studierende für die Sonderschau des open art museum an der Olma Messe St.Gallen ein künstlerisches Zusammenspiel aus einer riesigen Teppichcollage mit Bildausschnitten der eigenen Sammlung, Fotowänden und interaktiven Elementen. Ein Kunstmuseum an der Schweizer Messe für Landwirtschaft, Ernährung und Gewerbe mag ungewöhnlich erscheinen, doch die Verbindung ist naheliegend. Zahlreiche Künstler*innen der Museumssammlung stammen selbst aus bäuerlichem Umfeld – Kühe, Alpen und Brauchtum prägen ihre Arbeiten.

Im Interview erzählt Markus Pawlick von der Entstehungsgeschichte des Teppichs, der Idee dahinter, den Arbeitsprozessen und den Reaktionen des Publikums.

Der Historiker Stefan Sonderegger forscht über die historische Entwicklung der ländlichen Gesellschaft. Sonderegger engagiert sich in verschiedenen Funktionen für die Vermittlung von Kultur und Geschichte – als Präsident der Stiftung für appenzellische Volkskunde und des Historisch-Antiquarischen Vereins Heiden, als Stiftungsratspräsident der Steinegg Stiftung und als Vizepräsident des länderübergreifend tätigen Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Sonderegger war zudem Leiter des Stadtarchivs der Ortsbürgergemeinde St.Gallen. Neben der ländlichen Wirtschafts- und Sozialgeschichte insbesondere Appenzells bearbeitet Sonderegger Themen der St.Galler Stadtgeschichte und die landwirtschaftliche Spezialisierung auf die Viehwirtschaft im Appenzell.

Im Interview spricht Stefan Sonderegger über die Besonderheiten der Appenzellischen Bauernmalerei, deren Herkunft und Geschichte und die Unterschiede zur Naiven Malerei des 20. und 21. Jahrhunderts.

Thessy Schoenholzer Nichols ist Textilforscherin und Künstlerin. Seit 1984 ist sie in Italien als Kuratorin, Konservatorin und Ausstellungsgestalterin in der Galleria del Costume im Palazzo Pitti, Florenz, im Palazzo Braschi, Rom, und im Museo della Moda, Gorizia, sowie in anderen Museen tätig. Im Rahmen der Ausstellung zeigt Thessy Schoenholzer Nichols im Kabinett des open art museum die Installation Hortus Conclusus – eine Gruppe filigraner Miniaturgärten. Prachtvoll gestaltet, drehen sie sich glitzernd und funkelnd im Licht. Ihre Schatten vergrössern die Gärten und füllen den Raum.

Im Interview spricht sie darüber, wie sie zur Idee der Installation kam.

Vernissage

Sonntag, 15. März ab 11 Uhr

Alle sind herzlich eingeladen, mit Apéro.
Die Ausstellung wird eröffnet mit einem Gespräch mit der Textilforscherin Thessy Schoenholzer Nichols, und der Möglichkeit, mit ihr Paradiesgärten neu zu entdecken und den Olma-Teppich gemeinsam zu begehen.

 

Sonntag, 15. März ab 14 Uhr

Kindervernissage zum Frühlingsbeginn basteln wir kleine Miniaturgärten. Mit Kunstvermittlerin Isabell Krähenmann.

Ausstellungsrundgänge

An folgenden Terminen werden Ausstellungsrundgänge angeboten:

Mittwoch, 8. April um 18 Uhr
Sonntag, 12. April um 11 Uhr
Mittwoch, 13. Mai um 18 Uhr

Keine Anmeldung notwendig. 

Programm

Olma-Teppich unterm Hammer am 3. Mai 2026

Der Olma-Teppich wird versteigert – sichern Sie sich Ihr einzigartiges Wunschstück! Der Schauspieler Matthias Flückiger, bekannt für seinen Witz und sein Temperament, führt durch die Auktion.

 

Besuch im «Paradiesgarten» am 20. Mai 2026

Eine öffentliche Führung zum «Festival der Natur» im Botanischen Garten St.Gallen. Der Botanische Garten St.Gallen zeigt 8’000 beschriftete Pflanzen aus aller Welt und legt Wert darauf, seine Pflanzenschätze dem interessierten Publikum auf lebendige und unterhaltsame Art näherzubringen. Beim «Festival der Natur» gibt es viel Spannendes über den Garten, sowie Natur- und Biodiversitätsthemen zu erfahren.

 

Kunst tut gut am 31. Mai

Interaktive Führung und Workshop für Jugendliche und Erwachsene.
Lass dich von der Ausstellung inspirieren und baue dir dein eigenes Paradies mit Materialien aus dem OFFCUT-Fundus. Lass deine Fantasie frei und entdecke, wie gut Kunst dir tut. OFFCUT sammelt und verkauft Gebraucht- und Restmaterialien und macht so aus Reststoffen wieder Werkstoffe.

 

Finissage der Ausstellung Stranger Than Paradise am 7. Juni

Presse

Flyer Stranger Than Paradise
Medienmitteilung Stranger Than Paradise
Pressebilder Stranger Than Paradise
Bildnachweise Stranger Than Paradise

Kontaktieren Sie uns bitte für hochauflösende Bilder.

Impressionen