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Vom 10. September bis 22. Oktober 1994 präsentiert die Stiftung für schweizerische naive Kunst und art brut in ihrem Museum im Lagerhaus, St. Gallen, Bilder des 44-jährigen Genfer Malers Pierre Aebischer sowie Zementplastiken des kürzlich verstorbenen Toggenburgers Ulrich Bleiker (1914-1994).

Der Bauernsohn Pierre Aebischer (geb. 1959) begann, fasziniert von der Technik, eine Lehre als Radioelektriker, brach diese wieder ab, verrichtete da und dort Elektroarbeiten am Bau und machte daraufhin eine Ausbildung als spitalexterner Helfer, als welcher er heute auch sein Brot verdient. Er kümmert sich um Betagte und Einsame und füllt seine Freizeit und seine Einsamkeit mit Zeichnen und Malen aus. Als ein Aussenseiter der Kunst. Bei der ersten Begegnung mit Aebischers Bildern, die noch nie in der deutschen Schweiz zu sehen waren, wird man hineingezogen in einen seltsamen Strudel von Schönheit. Wir sind den Umgang mit Schönheit nicht mehr gewohnt; Peter Killer widmet diesem Phänomen sogar die diesjährige Hauptausstellung im Kunstmuseum Olten. Die Augen durchwandern Aebischers Farbparadiese, um sich geniesserisch tragen zu lassen von Farbwellen und -melodien. Nach und nach aber ertastet das Auge sich weitere Schichten, die tief in eine Poesie des Traums hinabreichen. Der Künstler hat wiederholt längere Reisen durch die Nacht des Seins unternommen; davon haben sich einige Schatten im Werk niedergeschlagen. Während der Vorbereitungen zu Aebischers Ausstellung verstarb in Mogelsberg Ulrich Bleiker mit 80 Jahren. Dessen urtümlich-expressive Figuren begründeten von Anfang an einen wesentlichen Teil der Stiftungssammlung. Zu Ehren des Zementplastikers integriert das Museum nun ausser Programm eine Gedächtnisausstellung in Aebischers sensible Bildwelt hinein. Der Toggenburger Bauernsohn, Knecht, Bauer, Maurer und Fabrikarbeiter hat im Verlaufe von gut 25 Jahren, besonders aber nach seiner Pensionierung, ohne Kunstkenntnis ein packend künstlerisches Werk geschaffen. Die Gedächtnisausstellung gruppiert eine grössere Anzahl der wichtigsten Figuren - Tiere wie Menschen -, darunter eine imposante Schar grosser Frauengestalten aus Privatbesitz, jede von ihnen eine Persönlichkeit mit ausgeprägtem Charakter. Bleikers archaische Gestalten sind von einer formalen Dynamik, die man dem rauhen Zement kaum zutraute. Eine Dynamik, die sich aus der inneren Unbändigkeit nach aussen schlägt.

Bilder zur Ausstellung

Details

Typ
Einzelausstellung
Beteiligte
Kurator*in: Simone Schaufelberger-Breguet, St. Gallen
Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen

4 Kunstwerke aus der Museumssammlung in der Ausstellung

Pierre Aebischer
Ohne Titel
Chinatusche auf Papier
1990
Inventar-NR. oam_0000029
Pierre Aebischer
"Le repos du Poisson" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Chinatusche auf Papier
1987
Inventar-NR. oam_0000028
Pierre Aebischer
Ohne Titel
Tuschzeichnung auf Papier
1994
Inventar-NR. oam_0000031
Pierre Aebischer
"Le nain sur la roche" (Der Zwerg auf dem Felsen) (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Acryl und Ölpastell auf Papier
1985
Inventar-NR. oam_0000027
Pierre Aebischer
Ohne Titel
Chinatusche auf Papier
1990
Inventar-NR. oam_0000029
Pierre Aebischer
"Le repos du Poisson" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Chinatusche auf Papier
1987
Inventar-NR. oam_0000028
Pierre Aebischer
Ohne Titel
Tuschzeichnung auf Papier
1994
Inventar-NR. oam_0000031
Pierre Aebischer
"Le nain sur la roche" (Der Zwerg auf dem Felsen) (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Acryl und Ölpastell auf Papier
1985
Inventar-NR. oam_0000027