Felix Brenner (geb. 1955): Psüchodelische Dr. Arbeit
Ort: Museum im Lagerhaus (bis 1994 Vadianstrasse 57), St.Gallen
Vom 5. November bis am 17. Dezember 1994 finden im Museum im Lagerhaus in St. Gallen zwei letzte Ausstellungen statt, bevor das Gebäude für die Stadtpolizei umgebaut wird. Die eine Ausstellung ist Felix Brenner und dessen "Psüchodelischer Dr. Arbeit" in Bildern und Texten gewidmet. Zum anderen werden die sechseinhalb Jahre Museumstätigkeit der Stiftung für schweizerische naive Kunst und art brut mit einem Rückblick auf die 28 bisherigen Ausstellungen dokumentiert.
Felix Brenners erstaunlicher Arbeit sind wir 1988 in der Ausstellung "Bild und Seele" im Seedamm Kulturzentrum in Pfäffikon SZ erstmals begegnet. Als uns berichtet wurde, Felix Brenners Wohnung in Basel werde geräumt, entschlossen wir uns zum Versuch, in einer ungewöhnlichen Ausstellung uns der ebenfalls ungewöhnlichen Welt dieses 39-jährigen Aussenseiters anzunähern. Mit einer Installation einen Eindruck zu vermitteln von der Wohnung, deren Wände von unten bis oben voller Bilder waren, die sogar die Decke noch überwucherten. Raum um Raum dieses Überborden von Zeichnungen. Zeugnis einer Lebensgeschichte am Rande der Gesellschaft, der Erfahrung mit Drogen und Psychopharmaka, mit "psüchodelischen Geisstern"... Alles gehört in diese Lebensgeschichte, das uralte Haus (ohne Telefon und ohne gängigen Komfort), das Brenner jetzt in einem einsamen Juradorf bewohnt, "Juhra, Mutter tief zwischen Bärgen Tählern in der Tiefe der Wälder", die ganze Umgebung, die Tonscherben und andern Fundstücke, die eine Brücke schlagen zwischen Gegenwart und Bergangenheit. Wie besessen notiert Brenner seine Wahrnehmungen hundert-, tausendfach in Zeichnungen von Pflanzen und Visionen..., in sternschnuppenrasanten Texten eigenwilliger Orthographie. All dies verarbeitet er in seiner "Psüchodelischen Dr. Arbeit", beinhaltend "Versuchs Protokole, Etno Bottanische Bereiche, Mütische wie alchemistische Strukturen und elementar Vorschung, Ab Lässen und Defination achetüpischen Ihnen Raumen, Psüchologie und Neurosen Vorschung". Die Parallelausstellung belegt die Breite des Stiftungszwecks, Interesse und Verständnis für schweizerische naive Kunst und art brut sowie deren Randbereiche - bäuerliche Naive und Outsider - zu fördern. Im Rückblick über 28 Ausstellungen erstaunt die Vielfalt an Themen und individuellen Ausdrucksmöglichkeiten dieser autodidaktischen Einzelgänger der Kunst, die keinem Stil und keiner Mode frönen. Erinnert wird an die beiden Ausstellungen von Aloyse und Adolf Wölfli, die ausser in grossen internationalen Kunsthäusern auch im Museum im Lagerhaus zu sehen waren. An die klassischen Naiven Samuele Giovanoli, Jakob Rümbeli, Gotlieb Speiser, Anny Boxler, Emil Graf, Emil Wickle, an die Weltenbilder von Elisabeth Bourquin, Angelus, Bertram oder Christoph Eggli, die Phantasiewelten von Pya Hug, Erich Staub oder Ignacio Carles-Tolrà, die expressiven Bildfindungen von Hans Krüsi, Reni Blum oder Walter Arnold Steffen. Der vor kurzem verstorbene Zementplastiker Ulrich Bleiker fehlt ebenso wenig wie Benjamin Bonjour mit seiner lyrischen Farbmusikalität. Aber auch weniger bekannte Namen sind vertreten, unter denen immer wieder echte Entdeckungen zu machen sind.
Details
Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen



