Alfred Leuzinger (1899–1977), Marili Müller (geb. 1921), Siliva Reut (geb. 1969) und Heinz Röthlisberger (geb.1947)
Ort: Museum im Lagerhaus, St. Gallen
Im Schaffen von Aussenseitern der Kunst kommen oftmalig Reihen vor. Diese sind keineswegs als Stilmittel und auch nicht bewusst eingesetzt, sondern ergeben sich aus einer obsessionellen Arbeitsweise. Es ist, ob der einmal begonnene Zeichenprozess sich nicht mehr bremsen liesse. Diesem besonderen Thema widmet sich das Museum im Lagerhaus der Stiftung für schweizerischen naiven Kunst und art brut in St. Gallen in seiner von 8. Mai bis 2. Juli dauernden Ausstellung.
Im Zentrum stehen der gehörlose Alfred Leuzinger (Wattwil 1899-1977) sowie die geistig behinderten Marili Müller (*1921 in Luzern) und Heinz Röthlisberger (*1947 in Kleingschneit bei Oberbalm im Bernbiet). Eine vierte Hauptgruppe stammt von der 1969 geborenen Silvia Reut aus Niederuzwil, die seit zehn Jahren nach Bildern aus Büchern kleinformatige Tiere von eigenwilliger Ausdruckskraft schnitzt und bemalt. Sie hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, so die ganze Entwicklung der Tierwelt aufzuarbeiten. Urtiere von Silvia Reut sind auch schon im Naturmuseum St. Gallen gezeigt worden. Tiere, Häuser, Grammophone, Gartenbänke, Soldaten und vieles mehr reiht Alfred Leuzinger in seinen Farbstift-Zeichnungen gleichwertig auf. Das Museum im Lagerhaus übernimmt diese Werkgruppe im Kern aus einer vor kurzem im Glarner Kunsthaus gezeigten Ausstellung, ergänzt sie aber durch etliche weitere Werke Leuzingers. Heinz Röthlisbergers Landschaften mit Häuserreihen sind zwar von ähnlicher kompositorischer Kraft, wirken durch ihre Kompaktheit und ihre leuchtende Farbigkeit aber wieder ganz anders. Es geht in dieser Ausstellung auch darum, zu zeigen, wie vergleichbare Gestaltungsprinzipien dennoch je nach Persönlichkeit verschiedene Bilder ergeben. Durchaus muten die zarten Bilder von Marili Müller an. Besonders faszinieren ihre "Kreuzworträtsel", kleinformatige abstrakte Farb-Kompositionen. Gleichartig aufgebaut und durchsetzt von "Müsterchen" sind ihre "Tagebuchblätter", in denen sie von ihr lieben Menschen und Tieren erzählt, von Dingen des Alltags, Nahrungsmittelverpackungen... "Undsoweiter", "etzetera" schriebt Marili Müller jeweils dazu. Sie kommt gar nicht mehr nach mit den tausend Sachen, von denen sie berichten möchte. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Collection de l'art brut in Lausanne, dem Kunstmuseum des Kantons Thurgau, dem Kunstmuseum St. Gallen und dem Naturmuseum St. Gallen sowie dem bereits erwähnten Kunsthaus Glarus entstanden. Den vier Hauptgruppen mit Alfred Leuzinger, Marili Müller, Silvia Reut und Heinz Röthlisberger werden Reihenbilder von Hans Krüsi, Walter Stalder, Wilhelm Oskar von Borck und anderen Aussenseitern aus der Sammlung des Museums im Lagerhaus gegenübergestellt, die das Thema des Seriellen, der obsessionellen Wiederholung, des Automatismus und der Verselbständigung erweitern.
Details
Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen
Ohne Titel
Alphabet (Schriftbild) (Beschreibender Titel)
Farbstift und Kugelschreiber auf Papier ((Briefpapier))
Inventar-NR. oam_0017828
"Wirtschaftsfenster mit Vorhang" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Farbstift und Tinte auf Papier ((Briefpapier))
Inventar-NR. oam_0017820
"Sprachheilschule" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Farbstift und Kugelschreiber auf Papier
Inventar-NR. oam_0017824
"1 FLUGERTAG,/KEIN ANGST/KEIN BOMPEN/VALENS. 68." (Orthographie und Interpunktion original) (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Bleistift und Farbstift auf Papier
Inventar-NR. oam_0017823
Ohne Titel
Grosses Dorf (Beschreibender Titel)
Bleistift und Farbstift auf Papier
Inventar-NR. oam_0017815
Ohne Titel
Ketten aus Blumen und Holzperlen (Beschreibender Titel)
Mischtechnik auf Papier (Bleistift, Farbstift, Kugelschreiber)
Inventar-NR. oam_0017825


