WÄNDE dünn wie HAUT Adelheid Duvanel in Gemälden und Zeichnungen
Ort: Museum im Lagerhaus, St. Gallen
Wände schützen das Haus als Lebens- und als Zufluchtsort, dünn wie eine Haut sind sie Körper, welche die Seele umgeben. Gewaltig und höchst sensibel ist die Sprache der Basler Schriftstellerin Adelheid Duvanel (1936-2006). Sie ruft Bilder hervor, die in ihrer Dichte den Atem stocken lassen. Diese Bilder sind Kürzel, Symbole, Zeichen. Es überrascht nicht, dass die bekannte und doch in Vergessenheit geratene Schriftstellerin zeitlebens auch gezeichnet hat. Mehr noch: Ihre berufliche Laufbahn beginnt Adelheid Duvanel in der Werbegrafik und mit einer Ausbildung zur Textilzeichnerin, die sie jedoch nicht zu Ende führt. Die Ehe mit dem Maler Joseph Duvanel unterbricht ihren bildkünstlerischen Weg und erst nach der Trennung von ihm beginnt sie Anfang der achtziger Jahre wieder verstärkt zu zeichnen und zu malen.
«Chronistin der Ausgegrenzten» wird Adelheid Duvanel genannt. In ihren unerbittlichen, auf eine «Mikroprosa» komprimierten Kurzgeschichten erzählt sie von Verstörten, Kranken, Einsamen, Sehnsüchtigen, Scheiternden – Menschen, die durch die Fangnetze der Gesellschaft fallen. Sie könnte selber eine ihrer Figuren sein, gilt doch auch sie als Grenzgängerin zwischen Depressionen, häufigen Aufenthalten in der Psychiatrischen Klinik Basel und Sorgen um die drogenabhängige und aidskranke Tochter und deren Kind, finanziellen Schwierigkeiten und einem Leben am Rande des Existenzminimums. Schonungslos reflektiert sie sich in ihren Zeichnungen, die Alpträumen der Gewalt und Ohnmacht gleichen. Tiefer Schmerz und Verlorenheit spricht aus ihnen, doch auch die karikierende Kraft der Ironie. Adelheid Duvanel schafft eine überaus persönliche und betont weibliche Kunst. Sie rückt die Rolle der Frau in ihrem Verhältnis zum Mann und immer wieder das Kind ins Zentrum: die Verbindung zwischen Mutter und Kind, die Angst um das Kind und den Verlust des Kindes. Sie zeigt die gebrochene Frau, gebunden und von Männern bedroht, klagt patriarchale Systeme an und interpretiert die Frau als weiblichen Sebastian oder als Christus mit Dornenkrone. Sie beklagt Krankheit und Tod und zeichnet Dämonen der Angst. Sie trauert um verlorene Liebe. Das bildnerische Werk der bedeutenden Schriftstellerin ist bis heute nahezu unbekannt. Erst einmal wurde es in einem Museum ausgestellt, publiziert wurde es nie. Trotz ihrer umfangreichen Bildproduktion hat sich Adelheid Duvanel selbst nicht als Malerin begriffen. Schon früh verstummt, bewegt sie sich in ihrem eigenen Leben stets wie eine Fremde. Ihre Stimme ist ihre Kunst. Wir danken dem Schweizerischen Literaturarchiv, Bern, den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel sowie Karin und Gerhard Dammann, Tägerwilen, für Unterstützung, Kooperation und Leihgaben; für die Entwicklung einer szenischen Lesung Barbara Wachendorff und Jens-Daniel Peter (Heidelberg). Für die Förderung dieses Projektes sind der Marie Müller-Guarnieri-Stiftung, St. Gallen, der Ernst Göhner Stiftung, Zug, sowie der Alfred Richterich Stiftung, Laufen, der Arnold Billwiller Stiftung, St. Gallen, dem Soroptimist International, Club St. Gallen, und der Dreischiibe e.V., St. Gallen, zu danken. Katalog zur Ausstellung: Monika Jagfeld (Hg.), Wände dünn wie Haut. Zeichnungen und Gemälde der Schweizer Schriftstellerin Adelheid Duvanel, Ausstellungskatalog St. Gallen, Museum im Lagerhaus, 2009.
Details
Ohne Titel
Porträt einer jungen Frau (Beschreibender Titel)
Bleistift und Farbstift auf Papier
Inventar-NR. oam_0004075
Ohne Titel
Alter Mann und Frau / Pianist und Adelheid Duvanel (Beschreibender Titel)
Öl auf Leinwand
Inventar-NR. oam_0004198
Ohne Titel
Drei Frauen (Beschreibender Titel)
Kreide und Tusche auf Papier
Inventar-NR. oam_0004163
Ohne Titel
(Frauenkopf) (Beschreibender Titel)
Bleistift auf Papier (auf Karton aufgezogen)
Inventar-NR. oam_0004157
"Auf der Erdkugel" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Bleistift auf Papier
Inventar-NR. oam_0004148
Ohne Titel
Therapiegespräch (Beschreibender Titel)
Gouache und Tusche auf Papier
Inventar-NR. oam_0004073
"O. T. (Strassenszene)" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Kreide auf Papier
Inventar-NR. oam_0004181
Ohne Titel
(Stehende Person im Dreiviertelsprofil) (Beschreibender Titel)
Bleistift auf Papier
Inventar-NR. oam_0004154
Ohne Titel
Drei Frauen (Beschreibender Titel)
Kreide und Tusche auf Papier
Inventar-NR. oam_0004196
"Kindsmörderin" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Farbstift und Kugelschreiber auf Papier
Inventar-NR. oam_0004160
Ohne Titel
Farbige Flächen (Beschreibender Titel)
Farbstift auf Papier
Inventar-NR. oam_0004101
Ohne Titel
Porträt (Beschreibender Titel)
Aquarell und Ölkreide auf Karton
Inventar-NR. oam_0004178
"Gottes Faust" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Filzstift auf Karton
Inventar-NR. oam_0004151
Ohne Titel
(vier Jugendliche) (Beschreibender Titel)
Kreide und Tusche auf Papier
Inventar-NR. oam_0004156
Ohne Titel
(zwei Männerportraits) (Beschreibender Titel)
Kreide auf Karton
Inventar-NR. oam_0004152
"Wirrer Traum" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Bleistift auf Papier
Inventar-NR. oam_0004072
"Anfang und Ende" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Bleistift auf Papier
Inventar-NR. oam_0004074
"Hier gibt es nur Restensuppe" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Mädchen in Zelle (Beschreibender Titel)
Bleistift und Farbstift auf Papier
Inventar-NR. oam_0004150
"Die Witwentracht" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Farbstift und Filzstift auf Papier
Inventar-NR. oam_0004099
Ohne Titel
(Gestalt mit Faden in der Hand) (Beschreibender Titel)
Bleistift auf Papier
Inventar-NR. oam_0004159
Ohne Titel
(Flüchtlingskinder vor Stacheldraht) (Beschreibender Titel)
Tinte auf Papier
Inventar-NR. oam_0004111
Ohne Titel
Kinderkopf (Beschreibender Titel)
Kreide auf Karton
Inventar-NR. oam_0004076
Ohne Titel
Adam und Eva mit Schlange (Beschreibender Titel)
Bleistift und Farbstift auf Papier
Inventar-NR. oam_0004096






