François Burland (geb. 1958) – Im Reich von Mythos und Magie
Ort: Museum im Lagerhaus, St. Gallen
Nachdem François Burland früher schon mehrmals in thematischen Ausstellungen im Museum im Lagerhaus in St. Gallen vertreten war, folgt jetzt vom 30. April bis 9. Juli die erste Museumsausstellung des Westschweizer Künstlers in der Deutschschweiz.
In einer grossen Retrospektive werden die verschiedenen malerischen Zyklen dieses überbordend reichen Schaffens von den Anfängen vor über zwanzig Jahren bis zu heutigen Arbeiten gezeigt: Die frühen Bilder, die von der Entdeckung berauschender Farbigkeit künden, sodann die tiefschwarzen Serien wie "Cavaliers Novembre", "L'âme des guerriers" (Die Seele der Krieger) oder "Tyrannosaurus Rex", wilde Szenen wie "Océaniens" auf zerrissenem Packpapier, "Azawak", "Chaman Blues", der selten gewordene "Homo bicus". die magischen Erscheinungen "Le jour des cendres" (Der Aschentag), sodann neue, noch unbekannte Serien wie "Argos", "Wild Animus", "Le miroir des âmes simples et anéanties" (Der Spiegel der einfachen und zerstörten Seelen), die "Cavaliers sans nom" (Die namenlosen Reiter). Es sind Vexierbilder von Mensch- und Tierwesen, von Naturkräften und Machtkämpfen. Oder wiederum die Serien der Poyas, eine Thematik, in welcher diese einzigartige Form der Volkskunst, die Senntumsmalerei rund um den Säntis und jene des Greyerzerlandes, auf besondere Weise verbunden sind. Burland knüpft an die Poyas, die Alpfahrtsbilder des Greyerzerlandes, an. Doch wie er sich jedes Thema auf völlig persönliche Art aneignet, so auch diese spezielle Materie, in welcher er neben dem Brauchtum das Archaische betont und mit modernen Aspekten von Tourismus und Weltgeschichte konfrontiert. Vor kurzem hat Burland eine Serie "Jardins" (Gärten) geschaffen, kleinformatige Landschaften voller Geheimnis. Ebenfalls in den Gärten - der Improvisation - wird das Programm von Michael Schumacher (Tanz) und Alex Waterman (Cello) einen Glanzpunkt bilden. Im Rahmen von Steps # 10 Internationales Tanzfestival Schweiz wird im Museum im Lagerhaus ein Dialog von Bild, Raum, Musik und Tanz zu erleben sein. Der 1958 in Lausanne geborene François Burland begann seine künstlerische Tätigkeit als Autodidakt, völlig unbekümmert um Vorlieben des Publikums oder um gängige Tendenzen. Mittlerweile ist Burland Träger des Kiefer-Hablitzel Preises 1985, der UBS 1986 und 1990 sowie diverser Preise in der Westschweiz, wo er vom einstigen Rebell und Outsider zu einer geachteten, noch immer eigenwilligen Künstlerpersönlichkeit geworden ist. Die umfangreiche, zweisprachige Monografie "François Burland" - "Im Reich von Mythos und Magie" / "Au royaume du mythe et de la magie" von Erika Billeter (Benteli Verlag 2003) zeugt in Wort und Bild von der herausragenden und durchgehenden Qualität von Burlands Schaffen. Längst hat die dynamische, energiegeladene Malerei des Westschweizer Künstlers über die Grenzen der Schweiz ausgestrahlt in europäische und überseeische Galerien und Museen. Als kultureller Brückenschlag wird diese Burland-Retrospektive von vier Ausstellungen begleitet, die parallel im Musée d'Art et d'Histoire in Fribourg stattfinden, im Espace Saint-François und im Atelier Raynald Métraux in Lausanne sowie in der Galerie Bis Heute in Bern.Bis zum 9. Juli zeigt das Museum im Lagerhaus weiterhin die Ausstellung "Série Bush - 138 Todesurteile" von Ignacio Carles-Tolrà. Beide Ausstellungen werden von verschiedenen Veranstaltungen begleitet.
Details
Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen

