Leichte Sprache

Mit der Ausstellung „Prinzhorns Schweizer“ wird die Historie der berühmten Sammlung Prinzhorn zum ersten Mal als Teil der Schweizer Geschichte der Art Brut formuliert. Dabei ist sowohl auf die zeitliche Parallelität zwischen Hans Prinzhorns Publikation „Bildnerei der Geisteskranken“ (1922) und die des Schweizer Psychiaters Walter Morgenthaler, „Ein Geisteskranker als Künstler – Adolf Wölfli“ (1921), zu verweisen als auch auf die Wiederentdeckung der Sammlung Prinzhorn 1963 durch den Schweizer Kurator Harald Szeemann.

Dem Aufruf Hans Prinzhorns folgend, schicken psychiatrische Anstalten des gesamten deutschsprachigen Raumes zwischen 1919 und 1922 künstlerische Patientenarbeiten zu Hans Prinzhorn an die Heidelberger Psychiatrische Klinik für ein geplantes „Museum für pathologische Kunst“. Auch aus den Schweizer Anstalten gelangen Werke nach Heidelberg. Manche der Schweizer ‚AnstaltskünstlerInnen‘ haben inzwischen internationale Berühmtheit erlangt und andere Künstler beeinflusst. Neben Adolf Wölfli ist Heinrich Anton Müller zu nennen, ohne dessen Maschinenträume in der Anstalt Münsingen die Maschinenkunst Jean Tinguelys nicht denkbar wäre. Auch Daniel Spoerri, durch den Tinguely Müller entdeckt hat, würdigt ihn, während sich Bernhard Luginbühl wiederum auf Wölfli bezieht. Von massiven Ängsten bedroht, hält sich der deutsche Maler Ernst Ludwig Kirchner 1917/18 im Privatsanatorium Bellevue in Kreuzlingen auf. Dort zeigt ihm der Psychiater Ludwig Binswanger Gemälde der Patientin Else Blankenhorn. Für Kirchner sind sie „Kunstwerke höchster Art“, die ihn neu inspirieren. Von allen 22 KünstlerInnen aus Schweizer Anstalten sind Werke ausgestellt. Sie kommen aus Herisau, Kreuzlingen, Münsingen, Münsterlingen, Neuchâtel, der Rheinau, Schaffhausen, der Waldau bei Bern, Wil und Zürich – quer durch die ganze Schweiz. Darunter lassen sich auch noch unbekannte Werke entdecken. Es fällt auf, dass insbesondere die psychiatrischen Einrichtungen der Ostschweiz rege dem Ruf aus Heidelberg gefolgt sind und viele Arbeiten geschickt haben. Mit sieben KünstlerInnen sticht die Kantonale Psychiatrische Klinik Herisau AR hier stark hervor.

Bilder zur Ausstellung

Details

Typ
Gruppenausstellung
Beteiligte
Kurator*in: Monika Jagfeld, St. Gallen