Walter Arnold Steffen (1924–1982)
Ort: Museum im Lagerhaus (bis 1994 Vadianstrasse 57), St.Gallen
Das Museum im Lagerhaus der Stiftung für schweizerische naive Kunst und art brut in St. Gallen zeigt vom 7. September bis 2. November 1991 rund 80 Bilder von Walter Arnold Steffen (1924-1982). Es ist nach jener des Aargauer Kunsthauses in Aarau die zweite Ausstellung, die ein Museum diesem Aussenseiter der Gesellschaft und seiner Kunst widmet.
Geboren als drittes von zwölf Kindern einer Arbeiterfamilie in Saanen im Berner Oberland kommt Walter Arnold Steffen nach der Scheidung seiner Eltern ab 1938 zu wechselnden Pflegefamilien und schliesslich ins Erziehungsheim. Neun Jahre Primarschule und eine harte Jugend waren seine ganze Ausbildung. Er schlug sich mehr schlecht als recht durch als Gelegenheitsarbeiter, Knecht, Autowäscher und -polierer, er hatte masslosen Durst nach Leben und Leiden, nach Liebe und Alkohol. Zuweilen flüchtete er in wochenlange Dauerräusche, was ihn dann wieder in die psychiatrische Klinik brachte. 1952 lernt er in Zürich den Architekten Willi Stingel kennen, dem er seine beiden Erstlingswerke zeigt: mit Autolack gemalte, expressive Köpfe. Der Architekt ermuntert den völligen Autodidakten Steffen zum Weiterschaffen, und von da an entsteht - meist in den (erzwungenen) Ruhephasen zwischen den Ausschweifungen - ein künstlerisches Werk, das so überbordend ist wie sein Schöpfer. Dreissig Jahre dauerte diese arg strapazierte Freundschaft, von der Steffen Geld und Zuwendung forderte, wie ein Kind sich Aufmerksamkeit um jeden Preis ertrotzt. Wie Adolf Wölfli, von dem übrigens das Museum im Lagerjaus in seiner nächsten Ausstellung an die 70 Werke zeigen wird, war auch Steffen ein Unangepasster, der ein unvergleichliches malerisches Oeuvre geschaffen und zudem wie jener Musik komponiert und Gedichte geschrieben hat. Die AUsstellung im Museum im Lagerhaus umfasst vorwiegend Werke aus der Sammlung WIlli Stingel. Sie zeigt den Künstler Walter Arnold Steffen und die überwältigende Kraft seiner Bilderr. Sie ist ganz auf den Kontrast ausgerichtet zwischen Himmel und Erde, Leiden und Aggressionen, der Steffens wiederkehrende Themen durchzieht: Blumen und Früchte, Kirchen, Städte, Köpfe - Madonnen, Engel und immer wieder Christus am Kreuz, mit dessen Leiden der Maler sich bis zur Besessenheit identifiziert. Kontraste sind es zwischen Düsternis und Farbexplosionen, zwischen Klein- und Monumentalformaten, zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, expressivem Ausdruck und Komposition, ja sogar ikonenhafter Stilisierung.
Details
Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen
Ohne Titel
Kirchenbild mit Köpfen (Beschreibender Titel)
Öl auf Leinwand
Inventar-NR. oam_0019973
"Tod und Weib" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Mischtechnik auf Holz (Öl, Autolackfarbe)
Inventar-NR. oam_0019982
"Christus mit Engeln" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Öl auf Leinwand
Inventar-NR. oam_0019980
"Stadt Zürich" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Öl auf Stoff
Inventar-NR. oam_0019979


