Ficht Tanner – live
15 Uhr
6. Dezember 2026
Im Rahmen der Ausstellung Ficht Tanner: gezeichnetes Leben wird der Künstler und Musiker Ficht Tanner zur Bassgeige greifen und improvisieren.
Ficht Tanner live
Bekannt geworden ist Ficht Tanner als Musiker mit dem «Appenzeller Space Schöttl», gegründet 1981 gemeinsam mit Töbi Tobler. Mit Kontrabass und Hackbrett bewegen sie sich zwischen Folk, Rock, Jazz, Appenzeller Musik und freier Improvisation. Ihre Musik entsteht im Moment, geprägt von Ort, Publikum und innerem Rhythmus. Das Space Schöttl mischt nicht nur die Volksmusikszene in der Schweiz auf. Die unkonventionelle Musik der beiden, die sich zwischen freier Improvisation und Appenzeller Volksmusik bewegt, prägt in den 1980ern und 1990ern die Schweizer Musikszene, bis zur Trennung 1998.
Für Ficht Tanner wird die Musik zu einer unerschöpflichen Quelle schöpferischer Inspiration. Musikalische Improvisation und zeichnerischer Gestus folgen demselben Impuls. Musik und Bild sind für ihn untrennbar, Klang ist zugleich Farbe und Zeichen. «Es gefällt mir, Musik, Geräusche, Sprache als farbige Formen zu hören», schreibt er.
Umgeben von seinen Zeichnungen wird Ficht Tanner in den Ausstellungsräumen des open art museum mit Bassgeige und Gesang improvisieren.
Eintritt: CHF 9 inkl. Ausstellungseintritt
Keine Anmeldung notwendig.
Neben dem Auftritt am 6. Dezember 2026 wirs es auch noch Live-Sessions am 14. Februar und am 2. Mai 2027 geben.
Biographie
Geboren 1952 in Trogen, wächst Ficht Tanner in der hügeligen Landschaft des Appenzells auf. Früh entwickelt er eine feine Wahrnehmung für Natur, Klänge, Formen und Rhythmen – für alles, was unter der sichtbaren Oberfläche der Dinge schwingt. Seine Jugend im Rheintal (in Balgach) ist zugleich von Enge geprägt. Die Lehre als Typograf vermittelt ihm Präzision, Materialgefühl und den Umgang mit Papier, Schrift und Farbe, lässt aber kaum Raum für seine innere Suche. Im April 1972 steigt Ficht Tanner auf sein Motorrad, die Gitarre im Gepäck, und fährt nach Bern. Dort begegnet er neuen Formen des Zusammenlebens, der Musik und der Kunst. Er zieht in eine Musiker-Wohngemeinschaft und freundet sich mit Töbi Tobler an. Beinahe täglich musiziert er, spielt Gitarre, singt und erfährt eine neue Freiheit. Er begegnet dem Berner Künstler Rudolf Mumprecht (1918–2019). Als dessen Assistent ab 1973 lernt Ficht Tanner, dem schöpferischen Prozess zu vertrauen. Besonders Mumprechts Umgang mit Schrift eröffnet ihm neue Möglichkeiten. Aus der typografischen Regel wird eine künstlerische Freiheit. Schrift, Bild und Sprache beginnen ineinander überzugehen. Mitte der 1970er-Jahre wird das Zeichnen immer freier und eigenständiger. 1981 gründet Ficht Tanner mit Töbi Tobler die Gruppe Appenzeller Space Schöttl. 1984 kehrt Ficht Tanner nach Trogen zurück. Im Honnerlagschen Doppelpalast entsteht ein Lebens- und Arbeitsort, an dem Kunst, Musik, Alltag und Gemeinschaft ineinandergreifen. Über Jahrzehnte zeichnet, stickt und musiziert Ficht Tanner dort.

