Outsider Art unter dem Halbmond
Ort: open art museum, St. Gallen
Wie kaum einer anderen Kunst gelingt es der Outsider Art existentielle sowie aktuelle gesellschaftliche Themen sichtbar zu machen. Gerade in ihrer Subjektivität vermag sie das Erleben gesellschaftlicher Normen und Werte vor Augen zu führen. Die Ausstellung Outsider Art unter dem Halbmond ist die letzte der Trilogie Das ‹Andere› in der Kunst. Mit 25 Künstler*innen aus Iran, Marokko, Syrien und der Türkei stammend, fragt sie nach Reflexen von Kultur, religiöser Prägung und Diversität in der Outsider Art.
Begriffe wie Art Brut und Outsider Art sind aus einem eurozentrisch geprägten Kunstverständnis hervorgegangen mit der Idee einer subversiven, unverbildeten Kunst als Gegenspieler zur «art culturel». Können diese Konstrukte auf andere Kulturkreise übertragen werden? Wie wird kulturelle Diversität innerhalb der Outsider Art berücksichtigt? Weniger ist Art Brut eine «gobal language», sondern die Kunstrezeption sucht nach einer globalen Sprache für ein Kunstschaffen, das abseits des Mainstreams entsteht. In der Schweiz ist die Ausstellung Outsider Art unter dem Halbmond die erste, die Outsider Art aus islamisch geprägten Ländern thematisiert. Sie dient einer Wahrnehmung kultureller Kontexte und Einflussnahmen des Kunstschaffens und nicht etwa einer Nationalisierung der Künste oder einem «Neo-Orientalismus». In Marokko hat sich in der kleinen Hafenstadt Essaouira mit einer jahrhundertealten Mischung aus arabischer, jüdischer, berberischer und subsaharischer Kultur fernab des Einflusses akademischer Kunst eine eigene kreative Szene autodidaktischer Kunst geformt, sodass von der «Schule von Essaouira» gesprochen wird. Kunstschaffende in Iran haben ihre eigenen Kontexte, die stark lokal geprägt sind. In Europa sind die Künstler*innen bis auf Davood Koochaki, Samaneh Atef, Mehrdad Rashidi und Mohamed Babahoum kaum bekannt. Eine Ausnahmesituation ist das Leben und Kunstschaffen im Exil. Mehrdad Rashidi (*1963) hat mit zwanzig Jahren aus politischen Gründen Iran verlassen und lebt inzwischen in Deutschland. Samaneh Atef (*1989) ist ein Schwerpunkt der Ausstellung gewidmet. Sie musste 2020, als sie nach ihrer Verhaftung wieder freigelassen wurde, aus dem Land fliehen und kam nach Lyon. Schon vor ihrer Flucht hat sie in Iran in innerer Emigration gelebt und in ihren Werken die Bedrängnis als Frau thematisiert. 2022 war sie zum Gespräch «Dissident Artists in Exile» an die documenta 15 eingeladen.
Details
Lender: Mehrdad Rashidi, Ekrath






