Leichte Sprache

"Dracula streckt der Mafia die Zunge raus", "Woodstock's birth", "Packt Eure Koffern" oder "Ziemlich bizarr", so lauten einige Bildtitel in der Ausstellung von Ignacio Carles-Tolrà, die vom 14. Mai bis 9. Juli im Museum im Lagerhaus St. Gallen der Stiftung für schweizerische naive Kunst und art brut stattfindet. Die phantastischen Personen und Wesen des seit 34 Jahren in Genf lebenden Spaniers Carles-Tolrà hatten in der letztjährigen Ausstellung "La Bestialité - Stimme der Wildheit" Erwachsene wie Kinder fasziniert. Die jetzige Ausstellung entstand wie jene in Zusammenarbeit mit der Collection de l'art brut in Lausanne, in deren Sektion "Neuve Invention" der Künstler gewichtig vertreten ist. Auch der Maler selber hat seine sorgsam gehegten Lieblingsbilder ausgegraben, so dass eine repräsentative Übersicht über dreissig Schaffensjahre entstanden ist.

Die Gedankenfreiheit anderswo zu suchen, emigrierte Carles-Tolrà 1958 mit dreissig Jahren aus seinem Heimatland Spanien. 1960 liess er sich in Genf nieder, wo er noch heute beim Roten Kreuz arbeitet. In seiner Freizeit, meistens nachts, begann er autodidaktisch Bilder in unkonventionell gemixten Techniken zu malen, bekritzeln, collagieren...Aus dem Plasma der Farben wuchsen zellularische Formen, die anschwollen zu kuriosen Gestalten zwischen Mensch und Tier. Man blickt in ihr buntes oder auch düsteres Innenleben mit seltsamen Wegen und Umwegen; manchmal entdeckt man ein Herz. Carles-Tolrà, der jede Form von Extremismus und Unterdrückung verurteilt, spürt in seinen Bildern die Freiheit auf, die er in der Gesellschaft so selten gefunden hatte. Seine Emotionen, seine Aggressionen auch, fahren ab in die Bilder, in denen es knistert vor Spannung. Kinder verstehen Carles-Tolràs Geschöpfe bei der ersten Begegnung, ohne lange und gescheite Erklärungen. Der Maler ist den Kindern nah, wie auch lonesco es in seinen Bildern war. Kinderbilder ? Vielleicht. Aber auch die Erwachsenen fühlen sich direkt angesprochen. Die Ausstellung von Carles-Tolrà in Besançon im vergangenen Jahr wurde bereits in den ersten paar Tagen von über 5000 Personen besucht, darunter auch zahlreichen Schulklassen, und dieser Erfolg hielt bis zum Schluss an. Jean Dubuffet, der Carles-Tolràs Bilder gesammelt hat, kennt ihr Geheimnis. In einem Brief an den Künstler nennt er dessen Schaffen "radikal und rein", "angesiedelt an einem Ort, an welchem der Geist zu brodeln beginnt...sich ausdrückend in einer konstanten Sprache, die Sie selber erfunden haben und die Ihnen allein gehört", Dass im Bereich der art brut und der Outsider-Kunst jeder Künstler und jede Künstlerin wieder eine völlig eigene Bildsprache spricht, macht die aussergewöhnliche Anziehungskraft dieses urtümlich-schöpferischen Bereichs aus. Dies dokumentiert die Ausstellung mit einigen Werkgruppen, unter anderen von Bertram, Ulrich Bleiker, Benno Kaiser, Hans Krüsi, Louis Soutter, Walter Arnold Steffen und Gaston Teuscher aus der stiftungseigenen Sammlung des Museums im Lagerhaus.

Bilder zur Ausstellung

Details

Typ
Einzelausstellung
Beteiligte
Kurator*in: Simone Schaufelberger-Breguet, St. Gallen
Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen