Fritz Frischknecht (1893–1983) – Niklaus Wenk (geb. 1913) – Zwei Bäuerliche Naive
Ort: Museum im Lagerhaus, St. Gallen
Vom 4. Mai bis 5. Juli zeigt das Museum im Lagerhaus der Stiftung für schweizerische naive Kunst und art brut in ST. Gallen die geschlossene Sammlung FFF (Fritz Frischknecht von Susi und Jörg Furrer-Brunner) sowie eine Ausstellung zu Ehren des 85-jährigen Niklaus Wenk und seines Entdeckers, des 90-jährigen Sammlers Curt Burgauer.
Bauer und Maler sind sie beide, der Appenzeller Fritz Frischknecht und der Toggenburger Niklaus Wenk - zwei bäuerliche Naive, deren extrem verschiedene Bildauffassungen einen so lebendigen wie spannungsvollen Kontrast bilden. Beide malen sie die Landschaft, die sie umgibt, ihren eigentlichen Lebensraum, ohne das Malen je erlernt zu haben. Sie tun es mit spürbarer Liebe und voller Hingabe. Obschon im Verlaufe von eineinhalb Jahrhunderten so viele echte und noch viel mehr epigonale Appenzeller wie Toggenburger Bauernmalerei entstanden ist und dieser Bereich allmählich abgegrast scheint, tauchen trotzdem hie und da wieder Einzelgänger auf, deren Bildsprache völlig eigen, unverbraucht und frisch ist. Fritz Frischknecht (1893-1983) und der 1913 geborene Niklaus Wenk gehören zu diesen künstlerischen Einzelgängern. Frischknecht war nach dem frühen Tod seines Vaters, eines Kleinbauern und Störmetzgers, in Pflegefamilien aufgewachsen. Seit seinem 16. Altersjahr war er Knecht an verschiedenen Stellen, nach seiner Heirat Bauer in Schwellbrunn gewesen, arbeitete daneben aber noch halb-, später ganztags als Fabrikarbeiter bei Cilander und übersiedelte 1946 nach Herisau. Frischknecht war 65 Jahre alt, als er zu malen begann, weite Landschaften, in denen die Wege von Hof zu Hof eine wichtige Rolle spielen. Niklaus Wenk, ebenfalls Sohn eines Kleinbauern, war mehrerenorts Knecht und Holzer, bis er heiratete und das elterliche Anwesen in Boselen Wildhaus übernahm. Nachdem eine schwere Operation ihn zur Aufgabe der Landwirtschaft gezwungen hatte, begann Wenk mit 67 Jahren zu malen. Er hätte schon lange gerne einen Sennenstreifen gehabt. Da ihm zu teuer waren, malte er halt selbst einen. Seither hat das Malen ihn gepackt, erzählt er in den Bildern seine Erinnerungen, zu denen ein dramatisches Hagelwetter ebenso gehört wie der Alltag und die Arbeit des Bauern. Wenks Landschaften wirken urchig durch den pastosen Farbauftrag in einer ungestüm direkten Pinselschrift. Rau die Felsen, knorrig die Bäume, wuchernd das Gestrüpp, unerwartet die recht wilde Bildanlage. Entstehen unter seiner Hand häufig für die Bauernmalerei ungewohnt grosse Formate - seine "Alpfahrt Kreialp in den zwanziger Jahren" misst gar anderthalb Meter Höhe-, so liebt Frischknecht (mit Ausnahme der Sennenstreifen und des Bildes "Felswand mit Wasserfall und Bergsee") das kleine Format. Zart und verhalten setzt er seine Details - Tiere, Menschen, Bäume - in eine flächig gemalte Landschaft, die er in eigenwilliger Geometrie strukturiert. Frischknechts kleine Kostbarkeiten verlangen, dass man sich in sie versenkt, um ihre Differenziertheit zu entdecken.
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Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen


