Vier Frauen – Vier Welten
Ort: Museum im Lagerhaus, St. Gallen
Werkgruppen von vier Frauen stellt die Stiftung für schweizerische naive Kunst und art brut in ihrem Museum im Lagerhaus in St. Gallen vom 7. September bis 1. November aus. Vier sehr verschiedene Persönlichkeiten sind es, die in ihren Bildwerken und Schriften ihre eigene Welt entwickelten.
Mit 43 Jahren ist Carol Bailly aus Fribourg die weit jüngste unter ihnen. Ihre Werke sind gedrängt voller Geschichten, in die man aus Neugierde einsteigt, ohne zu merken, dass man sich darin verliert und kaum mehr hinausfindet. Vertrackte Geschichten aus dem Alltag, in den sich auch kleine Monster, Drachen und weitere Überraschungen einschleichen. Leitmotivisch tritt eine grossäugige und -lippige Frau auf; ebenso in den kleinen bunten, an Comics erinnernden Blätter wie wiederum in den bis zu vier Meter langen Schwarz-Weiss-Friesen, deren Dimensionen Carol Bailly selbstverständlich meistert. Ihre Bildsprache ist jung und überschäumend lebendig, doch schleicht sich zuweilen psychische Bedrängnis zwischen die Zeilen. Eine grössere Gruppe der im Museum im Lagerhaus ausgestellten Werke stammt aus der "Neuve Invention" der Collection de l'art brut. Die lyrisch zarten Bilder der 78-jährigen Berta Balzli aus Worblaufen bei Bern deuten kaum auf die frühere Bäuerin hin. Ihre Landschaften steigen aus dämmriger Traumwirklichkeit hoch, und auch die Porträts wirken seltsam entrückt. Berta Balzlis Leben war von harter Arbeit und dem frühen Unfalltod ihres Gatten geprägt. Ende 70er Jahre fand die stille, überaus sensible Frau zur Malerei, in der sie sich traumwandlerisch zurechtfindet. Ungewöhnlich ist ihre Perspektive, während eine helle Palette den Ton angibt, der transparent und geheimnisvoll zugleich ist, obwohl Berta Balzli nicht in ihre Bilder hineingeheimnissen will, sondern malt ohne Warum und ohne zu wissen, wie ihr geschieht. Paula Roth aus dem Thurgau (1918-1988) und Emma Widmer-Gass aus dem Aargau waren beide Wirtinnen. Beide haben sie ihr Umfeld zu einer Art Gesamtkunstwerk gestaltet, beide, von Gestaltungsdrang getrieben, haben gemalt, geschrieben noch und noch, Material zu Objekten verwandelt... Beide haben zur Esoterik gefunden und ihre eigene Lebensphilosophie entwickelt. Von manchen Schicksalsschlägen war Paula Roths Leben gezeichnet, die nach verschiedenen anderen Wirtschaften zuletzt die völlig abgelegene "Bellaluna" bei Filisur GR geführt hat, dank ihr zum Treffpunkt von Künstlern, Phantasten und ganz gewöhnlichen Menschen geworden. In die Schlagzeilen geriet Paula Roth, als sie 1988 ermordet wurde. Emma Widmer-Gass, 15 Jahre lang Wirtin des ehemaligen Hotel " Bad in Flüh SO, war bis ins ganz hohe Alter noch immer von unermüdlicher Schaffensenergie. Ausgestellt werden einige ihrer erstaunlichen Nadelmalereien. In Tausenden von Arbeitsstunden hat sie ohne Vorzeichnung monumentale Wandteppiche gestickt, deren Thematik von festlichen Blumenmotiven über persönliche Erinnerungen bis zu "Ausflügen ins Universum" reicht.
Details
Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen
"Ich Fr. Pa. Roth" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Bleistift und Farbstift auf Papier (auf Karton)
Inventar-NR. oam_0019073
Ohne Titel
Mensch-Baum (Beschreibender Titel)
Acryl auf Papier (aufgezogen auf Sperrplatte)
Inventar-NR. oam_0000432


