Anton B. Ipc. – Aus dem Lande des Vergeltsgott
Ort: Museum im Lagerhaus, St. Gallen
Das Museum im Lagerhaus in St. Gallen zeig vom 19. November bis 2. Februar 2002 in einer grossen retrospektive die panoptischen Bilderbücher sowie Malerei und Zeichnungen des Thurgauer Künstlers Anton B. Ipc., mit vollem Namen Anton Bernhardsgrütter.
Geboren am Ostersonntag 1925 im Neugrüt bei Bischofszell. Bauernsohn, Primarlehrer, Maler zuweilen und immer mehr, Aussteiger 1973, fortan Künstler zum hohen Preis der Freiheit. Allezeit schon ein Einzelgänger. In der naiven Kunst sollte er schubladisiert werden, oder wiederum als realistischer, poetischer, religiöser, literarischer Maler. "Ich bin ein lebender Anachronismus", sagt Anton B. von sich. Im Französischen ist der "Artist" gleich l'artiste, der Künstler überhaupt. Die deutsche Sprache hingegen meint mit dem Artisten den Gaukler. "Karussell des Lebens" heisst eine Tuschzeichnung aus dem Jahre 1966. Künstler wie Gaukler begegnen uns in den Zeichnungen und Bildern von Anton B. immer wieder, auch der Zirkus, der Karneval, die Prozession... - Verschiedene Zeiten stehen nebeneinander, verschiedene Welten auch, Jugend und Alter, Mutter und Kirche, Liebe, Erotik. In seinen über 30 "Panoptischen Bilderbüchern" erscheint Anton B. lpc. ("le pauvre cochon") in der dritten Person, neben seinen Doppelgängern oder Gegenspielern Franz Grubenmann, Joseph Kremars und Herr Brenzligugger. Er schreibt und schreibt, es schreibt und wir lesen und lesen zusammen Bruchstücke aus Schrift, Wörtern, Reflexionen, Imaginationen, Erdichtungen, Assoziationen, Bildern, Zeichnungen, Collagen, Trouvaillen, alten Postkarten, Fotos - Erinnerungen, Geschichten, erleben, geträumten... aus dem "Lande des Vergeltungsgott" oder "Gottvergällts". "ländliche Gegend mit Zentrum Neugrüt (Bischofszell), mit Blick über die Hügel und Wälder bis zum Säntis". "Ab 1980 heisst das Schweizerland auch Swiss Walt Disney Heidi Land". Ein Leseraum lädt ein, sich in Anton B.'s Panoptikum zu vertiefen, vielleicht gar, auf eigene Gefahr, zu verlieren. Wer ist Anton B.? Er versteckt sich zwischen den tausend und abertausend hastig hingekritzelten Zeilen seiner Tagebücher, seines "journal intime", er kauert im dichten Gestrüpp seiner Zeichnungen und Bilder, hinter Domen, die man freiwillig nicht anfasst. Trotz Metaphern, Verkörperungen, Verschlüsselungen ist er da, gut getarnt, zuweilen gar mehrmals im gleichen Bild, und sagt: "Meine Lieben, Kunst ist nicht zu, Erklären da."
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Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen


