Leichte Sprache

Vom 7. Mai bis 7. Juli zeigt das Museum im Lagerhaus, St. Gallen, Arbeiten des Rheintaler Künstlers Adam Keel und der in Zürich lebenden Musikerin und Malerin Maria Török.

Adam Keel, 1924 in Lugano geboren, ist als zweitjüngstes von 11 Geschwistern in beengten wirtschaftlichen Verhältnissen aufgewachsen. Künstler hätte er, der Sohn eines Holzschneiders, werden wollen; stattdessen musste er sich als Fabrikarbeiter durchschlagen. Für künstlerisches Schaffen und autodidaktisches Studium blieb lange nur die Freizeit. 1961 zog er mit seiner Frau Ria, Hauswirtschaftslehrerin und Textilkünstlerin, nach Rebstein, wo die beiden noch heute ein altes Bauernhaus bewohnen. Hier fand er allmählich den Freiraum, der es ihm erlaubte, sich ganz dem Malen, Zeichnen, Holzschneiden und Schnitzen zu widmen; zu Beginn der achtziger Jahre kam auch der Papierschnitt hinzu, eine Technik, in der er weitab von jeder Scherenschnitt-Tradition eine eigene expressive Bildsprache gefunden hat. Sein wichtigstes "Arbeitsgerät" aber sind die Farbstifte. Mit ihnen schafft er seine stark stilisierten, auf kleinteilige geometrische Formen zurückgeführten Zeichnungen, in denen er Schicht auf Schicht legt, wie im Papierschnitt in rhythmischem Wechsel von Hell-Dunkel-Flächen. Trotz ihrer formalen Konsequenz aber eignet vielen Arbeiten eine spielerische Komponente, gepaart mit einem hintergründigen, oft mehrdeutigen Humor. Besonders ausgeprägt erscheint dieser Aspekt in sprachspielerischen Titeln - Keel hat auch Kurzgeschichten geschrieben und publiziert - sowie in den kleinen Objekten aus Fund- und Wegwerfmaterialien. 1993 ist Adam Keel mit dem Rheintaler Kulturpreis ausgezeichnet worden. Die 1907 in Budapest als Tochter eines Arztes und einer Schauspielerin geborene Maria Török bildete sich zunächst zur Geigerin, später auch zur Sängerin aus; dieses zweite Studium führte sie seit 1929 immer wieder nach Zürich, wo sie sich 1937 mit dem Elektroingenieur Franz Galavics verheiratete. 1946 begann sie neben ihrer Tätigkeit als Konzertsängerin, Geigen- und Gesangslehrerin zu zeichnen und zu malen. Erst waren es Bleistift- und Tuschzeichnungen, in denen sie fein strukturierte Kleinformen in beschwingten, rhythmisch akzentuierten grösseren Formen zusammenfasste. Daneben entstanden Tempera- und Acrylbilder, die einen in ihrer lichten Farbigkeit an transparente Voileschleier erinnernd, die andern mit ihren freien, klar abgegrenzten Farbflächen bereits auf die späteren, in den siebziger und achtziger Jahren geschaffenen "Taotafeln" vorausweisend. In diesen Arbeiten fand die Künstlerin ihre eigene, unverwechselbare Bildsprache. In gleichformatigen Farbstiftzeichnungen lässt sie klar umrissene, stark stilisierte Figuren aus weissem Grund hervortreten - "Phänomene aus dem Weissen Nichts", wie sie selber sagt. Die intensiv leuchtende Farbigkeit der aus lauter kleinen Flächen gefügten, manchmal tänzerisch beschwingten, bisweilen grotesken Gestalten wird nicht nur durch den weissen Grund, sondern auch durch die Kombination der einzelnen Bilder zu monumentalen Sechser-, Achter- oder Neuner-Tafeln verstärkt. Diese verbindet Maria Török oft zu ganzen Bilderwänden in genau vorgeschriebener Folge, jede Wand inhaltlich wie formal als "Thema mit Variationen" in Farbtönen und rhythmischer Struktur lesbar. Ein Augenleiden zwang Maria Török anfangs der neunziger Jahre, ihr künstlerisches Schaffen zu beschliessen. Und als sie letztes Jahr ihre Wohnung räumen und in ein Pflegeheim umziehen musste, übergab sie einen Grossteil ihres Schaffens - über 400 Werke - dem Museum im Lagerhaus als Schenkung.

Bilder zur Ausstellung

Details

Typ
Gruppenausstellung
Beteiligte
Kurator*in: Simone Schaufelberger-Breguet, St. Gallen
Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen

2 Kunstwerke aus der Museumssammlung in der Ausstellung

Maria Török
20."La magie et la force" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Bleistift und Graphit auf Papier
1960
Inventar-NR. oam_0020237
Maria Török
"Tiefenbild Nr. 1" (F) (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Bleistift und Farbstift auf Papier
1959
Inventar-NR. oam_0020234
Maria Török
20."La magie et la force" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Bleistift und Graphit auf Papier
1960
Inventar-NR. oam_0020237
Maria Török
"Tiefenbild Nr. 1" (F) (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Bleistift und Farbstift auf Papier
1959
Inventar-NR. oam_0020234