Die Sammlung Geneviève Roulin
Ort: Museum im Lagerhaus, St. Gallen
Das Museum im Lagerhaus, St. Gallen, zeigt bis Ende Januar 2003 die Privatsammlung von Geneviève Roulin, der Anfang2001 im Alter von knapp 54 Jahren verstorbenen stellvertretenden Direktorin der Collection de l'art brut, Lausanne.
Als Vertreterin der Collection de l'art brut schrieb, las, übersetzte Geneviève Roulin überall; sie reiste in der Welt herum, kuratierte Ausstellungen in New York, Paris, Tokyo, Sie kannte alle Künstler und alle Sammler. Sie arbeitete während langen Jahren hart, um dem Lausanner Museum jene Bedeutung zu geben, die es heute für jedermann hat." Das Zitat der amerikanischen Sammlerin Betsey Farber aus einem längeren Text in der Zeitschrift "Raw Vision" umschreibt in knappen Worten die vielfältige Arbeit von Geneviève Roulin. Die gelernte Innenarchitektin war seit der Eröffnung dabei, nachdem Jean Dubuffet seine umfangreiche Sammlung der Stadt Lausanne vermacht hatte, und sie ist bis zu ihrem Tod neben Michel Thévoz die treibende Kraft dieses Museums geblieben. Sie vertrat die Collection de l'art brut nach aussen, und sie wirkte in rastloser Tätigkeit nach innen. Sie war der Stiftung für schweizerische naive Kunst und art brut sowie ihrem Museum im Lagerhaus in St. Gallen seit der Gründung vor 15 Jahren freundschaftlich verbunden, von 1995 bis zu ihrem Tod auch als Mitglied des Stiftungsrats. Sie fand trotz ihrer Belesenheit und ihres Wissens jenen Zugang zur art brut, der jenseits aller Theorien und wissenschaftlichen Erörterungen liegt; er führt nicht über den Intellekt, sondern über den ganzen Menschen mit all seinen Sinnen und Empfindungen. Ihre private Sammlung, die nun im Museum im Lagerhaus gezeigt wird, zeugt ebenfalls von diesem unmittelbaren Zugang. Viele Künstlerinnen und Künstler zählten zu ihrem engeren oder weiteren Freundeskreis, unter ihnen Edmond Engel, Ignacio Carles-Tolra, Rosemarie Koczy. Christine Sefolosha und François Burland, die alle mit grösseren Werkgruppen vertreten sind. Marie Rose Lortet strickte einen Regenbogen mit Fenster und brachte ihn der Schwerkranken noch in ihren letzten Lebenswochen ins Spital. Grossformatige Arbeiten auf Papier von Michel Nedjar finden sich neben den ausdrucksstarken Köpfen von Philippe Visson, Gérard Lattiers ins Übersinnliche ausgreifende gezeichnete und geschriebene Geschichten haben in dieser sehr persönlich geprägten Sammlung ebenso Platz wie Zeichnungen von André Robillard oder die kindlich-unmittelbaren Arbeiten von Pépé Vignes und Benjamin Bonjour, eine Farbzeichnung von Aloïse oder Blätter von Franz Kerbeis, Gene Merritt und Anna Zemankova. Neben der umfangreichen Sammlung von Geneviève Roulin umfasst die Ausstellung auch eine Hommage an Curt Burgauer, den am 9. Oktober verstorbenen Mitbegründer der Stiftung für schweizerische naive Kunst und art brut, und seiner Frau Erna, die ihm 1995 im Tod vorausgegangen ist. Mit einer Auswahl aus dem bedeutenden Legat des Sammlerehepaares gedenkt das Museum im Lagerhaus seiner verstorbenen Mitbegründer.
Details
Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen


