Zwei Freunde – Eine Sammlung
Ort: Museum im Lagerhaus, St. Gallen
15 Jahre Museum im Lagerhaus waren Anlass, verschiedene aussergewöhnliche private Sammlungen aus dem Bereich der Aussenseiterkunst vorzustellen. Den Kunstsammlungen von Geneviève Roulin, von Erna und Curt Burgauer, von Mina und Josef V. John und jetzt über den Jahreswechsel jener von Philippe Eternod und Jean-David Mermod wird nach dem Umbau zur Einweihung der erweiterten Räume eine grosse Präsentation diesmal der eigenen Sammlung der Stiftung für schweizerische naive Kunst und art brut folgen.
Es ist ungewöhnlich, dass eine gemeinsame Kunstsammlung entsteht, deren zwei "Väter" unabhängig voneinander jeder sein eigenes Leben lebt. Freilich waren beide früh schon kunst-infiziert. Jean-David Mermod besitzt bereits von seinem Grossvater, dem Verleger Henry-Louis Mermod, eine wunderbare Sammlung Louis Soutter, neben Auberjonois und weiteren Zeugen der Moderne, und Philippe Eternod umgibt sich mit markanten Werken zeitgenössischer Kunst. Ein von den beiden ehemaligen Schulfreunden gemeinsam erstandenes Bild von Aloïse legte eines Tages den Grundstein zu ihrer Sammlung von Art Brut und Aussenseiterkunst, die im Verlaufe von 13 Jahren auf mehrere tausend Werke von Künstlerinnen und Künstlern aus der Schweiz und der ganzen Welt angewachsen ist. Die wichtigen Namen dieses packenden Kunstbereichs erscheinen darin ebenso wie weniger bekannte und spiegeln das sichere Gespür der beiden Schweizer Sammler. Die Sammlung Eterod-Mermod ist mit wechselnden Ausschnitten bereits 1997 im Site de la Création Franche in Bègles F ausgestellt worden, 2000 im Malmö konstmuseum und im Prins Eugens Waldemarsudde in Stockholm, 2001/2002 in der Galleria Gottardo in Lugano - mit je einem eigenen Katalog. überdies war die Sammlung an bedeutenden Ausstellungen vertreten, namentlich im Musee d'art moderne de Villeneuve d'Ascq, im American Visionary Art Museum Baltimore sowie in "Figure dell'anima" in Pavia und in Genua. Was aber wäre die Museumsarbeit ohne Privatsammlungen? Private Sammler und Sammlerinnen machen Entdeckungen und können ihren Liebhabereien mit einer Freiheit frönen, die einem Museum verwehrt ist. So sind Privatsammlungen jeweils von ganz eigenem Charakter geprägt, und diese persönliche Sicht und Einstellung will auch die Ausstellungsreihe im Museum im Lagerhaus unterstreichen. Wie die Sammlung John sich schwergewichtig der Volkskunst und der naiven Kunst widmet, so wiederum konzentriert sich die Sammlung Eterod-Mermod auf Art Brut und Aussenseiterkunst. Entdeckungen sein werden etwa David Braillon mit seinen meterlangen, minutiösen Reihenbildern von Eisenbahnen, das überzeichnete Menübuch eines anonymen Patienten einer Genfer Klinik oder die metamorphotischen Zeichnungen des Waadtländers Jules Doudins, die kaum in einer andern Privatsammlung erscheinen. Wir tauchen ein in mediumnistische Werke von Madge Gill, Joseph Crépin, Jules Godi, Raphaël Lonné, wir können uns den fragilen, geheimnisvollen Augenbildern von Edmond Monsiel nicht entziehen, wir versuchen, Friedrich Schröder-Sonnenstern zu entschlüsseln, sind gepackt von den Bildgeschichten von Gérard Lattier und vor allem erstaunt, wie unerschöpflich diese Kunst ist, die sich keiner Trend-Rezepte bedient, sondern vulkangleich aus dem Leben bricht, genährt von erstaunlicher Vorstellungskraft.
Details
Kurator*in: Simone Schaufelberger-Breguet, St. Gallen
Lender: Galerie du Marché, Philippe Eternod, Lausanne
Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen


