Leichte Sprache

„Ich fresse mir die Figuren vom Kopf“ Kunststicker, Musiker, Freigeist, Denker, Mystiker – Lebenskünstler. Der in Trogen lebende Appenzeller Ficht Tanner (*1952) scheint alles in sich zu verkörpern. Ein Ausnahme-Künstler, der keiner Kategorie zuzuordnen ist. Seine ungewöhnlichen Stickarbeiten entstehen losgelöst von jedem Trend, ganz aus seiner Person heraus. Ihm selbst gilt seine Kunst als Form, Farbe und Materie gewordene Gefühle und Gedanken – ein völlig auf sich selbst bezogenes Gesamtkunstwerk. Alles Innere bringt Ficht Tanner nach aussen, setzt es um in Ton, Strich und Stich. Nach einer Lehre hat sich der Autodidakt und Querdenker nie gerichtet

Bewusstes Kunstwollen und gestalterische Absicht verweigert Ficht Tanner kosequent. In seinen Stickarbeiten bringt er Formen hervor, die es gar nicht gibt. Formen, die nicht der realen Welt entnommen sind, sondern erst im Arbeitsprozess geboren werden. Es ist eine anarchistische Kunst, die den Betrachter in totaler Freiheit, aber auch Orientierungslosigkeit belässt. Nimmt Ficht Tanner eine Arbeit zur Hand, erläutert er nicht gestalterische Themen oder Techniken, sondern Prozesse innerer Läuterung. Er sucht mit jedem Stich, verspürt das Drängen einer Form, presst sie aus sich heraus und lässt sie wachsen. Vor dem historischen Hintergrund und der Bedeutung der Stickerei für die Ostschweiz eröffnet Ficht Tanner neue Dimensionen der Stickkunst. Zum sechzigsten Geburtstag würdigt das Museum im Lagerhaus Ficht Tanner mit einer Retrospektive und Publikation.

Bilder zur Ausstellung

Details

Typ
Einzelausstellung
Beteiligte
Kurator*in: Monika Jagfeld, St. Gallen