AugenBlicke
Ort: Museum im Lagerhaus, St. Gallen
„Wenn ich Gesichter male, wage ich es, andere Menschen anzusehen.“ (Hans Weder) Der Augenblick ist ein kurzer Moment, der ungeheure Bedeutung erlangen kann. Für die Begegnung mit einem anderen Menschen ist der erste AugenBlick entscheidend: der Blick in das Gesicht, die Begegnung der Blicke. Die Augen gelten als. In der Kunst spielen Porträts über Jahrhunderte hinweg eine grundlegende Rolle, gilt es nicht nur die äussere Erscheinung des Menschen zu erfassen, sondern auch seine innere Persönlichkeit und Befindlichkeit. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Selbstporträt zu. Von der spricht der Kulturphilosoph Georg Simmel und meint damit die Einheit des Körperlichen und Seelischen, deren Grundvoraussetzung darin liege, dass das Porträt seinerseits . Im Bildnis transformiert das Ich zu einem Du, wird ein und ist zugleich dem Ich. So stellt das Bildnis auch in seiner Abstraktion immer ein Gegenüber dar, das zur Auseinandersetzung auffordert – Kunstschaffende wie BetrachterInnen.
Die Bildnisse von Hans Weder (*1953) muten an wie Psychogramme. Immer wieder gestaltet er das menschliche Antlitz: malerisch modelliert, in wenigen Strichen hingeworfen, verletzt, mit Farbmalen wie Wunden versehen oder reduziert auf einzelne Linien, die Auge, Nase, Mund markieren. Ihm gilt das Bildnis auch als Gegenüber in der Einsamkeit. Ein Aussenseiter als Maler ist der Bildhauer Walter Casanova (1918-1999). Hunderte von Gesichtern zeigen sein einsames obsessives Schaffen in rauschhaften Arbeitsexzessen, das der Künstler selbst immer verborgen hält. Erst nach seinem Tod wird das ungestüme wie emotionale Werk der Öffentlichkeit offenbart. Das Wechselspiel vom Ich zum Du, das Spiel mit dem alter ego oder auch mit dem anderen Geschlecht, vor allem aber das mediale Zusammenspiel von Skulptur und Zeichnung treibt Manuel Müller (*1955). Ein Grenzgänger zwischen Outsider Art und Professionalität ist er ganz der menschlichen Figur verhaftet. Im Zentrum der Bäuerin Berta Balzli (1920-2010) stehen ätherische Frauenfiguren, meist traumhaft in einen nicht bestimmten Raum gesetzt. Otto Gilli (*1940) ist bekannt für seine nervösen Menschendarstellungen in Tusche oder als Fingermalereien. Ab Ende der 1990er Jahre entsteht eine Serie von Bildnissen in Aquarell und Acryl, die Titel wie , , , und tragen. Porträts und Selbstporträts zeigt die Autodidaktin Cornelia Keller (*1982) in schnell umrissenen Gesichtern, die sie als





