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In Zusammenarbeit mit dem Bündner Kunstmuseum Chur und der Collection de l'art brut, Lausanne, stellt das Museum im Lagerhaus zwei Aussenseiter-Künstler vor, die über ihren bündnerischen Wirkungskreis hinaus weitgehend unbekannt geblieben sind: den Maler und Zeichner Alois Karl Höllrigi und den Plastiker Michael Pankoks.

Alois Karl Höllrigl ist 1907 in Chur geboren worden. Früh verlor er den Vater, der als österreichischer Offizier 1914 einrücken musste, in Gefangenschaft geriet und verschollen blieb. Nach seiner Schulzeit zog Karl mit der Mutter und den beiden Geschwister ins Tessin; er lernte Flachmaler und arbeitete in diesem Beruf zunächst im Tessin, später in Zürich, wurde für kurze Zeit Heilmittelvertreter, bevor er 1940 auf das erpresserische Drängen deutscher Agenten nach Bregenz und schliesslich nach Wien übersiedelte. 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, noch vor Abschluss der militärischen Ausbildung jedoch als untauglich wieder entlassen. Höllrigl blieb bis 1956 in Österreich, wo er sich in verschiedenen Berufen betätigte; während des Krieges engagierte er sich auch aktiv in Widerstandsgruppen, was ihm eine dreimonatige Gestapohaft eintrug. 1957 übersiedelte er ins Elsass, wo er wieder auf seinem angestammten Beruf arbeitete; ab 1961 lebte er mit kurzen Unterbrüchen in Graubünden, von 1968 bis zu seinem Tod 1986 in Chur. Hier entstand auch Höllrigls künstlerisches Lebenswerk - völlig abseits aller Normen, obwohl er sich rasch in die damalige Churer Kunstszene integrierte und sich durchaus als Kunstmaler verstand. Sein Werk erscheint als ein einziges grosses Wuchern: Liniengeflechte überziehen seine Zeichnungen, verknäueln und durchschlingen sich, verdichten sich bald zu schlangenförmigen Tierleibern oder skurrilen vogelähnlichen Formen, bald zu menschlichen Gesichtern. Masken- oder fratzenhafte Köpfe sind von wildem Haargeschling umweht. Aussen- und Innenwelt durchdringen sich auch in den andern Werken des Künstlers, menschliche Abgründe und elementare Katastrophen werden Bild, nicht selten begleitet von erläuternden Texten, die Höllrigi völlig selbstverständlich in sein bildnerisches Gestalten integriert. Eigene Mythologie Der 1894 in Nica auf einem Bauernhof an der lettischen Küste geborene Michael Pankoks besuchte nur die Primarschule und bildete sich dann in Abendkursen weiter. Er lernte Schreiner, studierte daneben aber eifrig medizinische Bücher und arbeitete während des ersten Weltkriegs als Arztgehilfe. Nach Kriegsende soll er nach eigenen Angaben Medizin studiert haben, schuf autodidaktisch aber auch ein umfangreiches malerisches und bildhauerisches Werk mit vorwiegend philosophischen Inhalten. 1944 floh er vor den heranrückenden sowjetischen Truppen; in den folgenden Jahren wechselten Aufenthalte in Flüchtlings- mit solchen in Gefangenenlager, bis er 1951 die Schweizer Grenze von Bregenz aus überschritt. Er wurde mit der Diagnose Schizophrenie in die Psychiatrische Klinik Waldhaus in Chur aufgenommen, wo er bis zu seinem Tod 1983 lebte. Bei der Aufnahme präsentierte er sich als Professor der Medizin und der Astronomie sowie als Maler und Bildhauer; in zwei Koffern führte er eine grössere Anzahl kleinformatiger Holzskulpturen mit sich. Erst 1960 nahm Pankoks, der sich in der Klinik vielseitig nützlich machte, die Bildhauerei wieder auf. Abfallholz, oft zu dünn, um vollplastisch zu arbeiten, und nicht selten von Wurmlöchern durchsetzt, diente ihm als Werkstoff. In den ersten Jahren entstanden vornehmlich allegorische Darstellungen, wobei er inhaltlich traditionelle ikonographische Muster benutzte. Später schuf er sich mehr und mehr seine eigene Mythologie; seine Bildsprache wurde, wohl mit bedingt durch die abnehmende Sehkraft, expressiver, konzentrierter, seine Skulpturen erinnern oft an Stelen oder an Totemfiguren, sind besetzt von Symbolen und Zeichen. Ein Elsas-Kabinett In einem weiteren Ausstellungsraum werden vom 27. Februar an mehrere Dutzend Zeichnungen, Aquarelle und Collagen von John Elsas (1851-1935) gezeigt. Der Frankfurter Bankier schuf zwischen seinem 75. und seinem 84. Geburtstag rund 25'000 etwa A4-grosse Arbeiten, darunter viele, die von Knittelversen begleitet sind. Rund 18'000 dieser Arbeiten befinden sich heute in der Sammlung des Museums im Lagerhaus, das in einer eben zu Ende gegangenen umfangreichen Ausstellung Besucher und Besucherinnen zu einem kleinen Wettbewerb eingeladen hat: Zu zehn textlosen Blättern sollen möglichst treffende Verse geschaffen werden. Das Ergebnis dieses erfolgreichen Wettbewerbs wird nun zusammen mit weiteren Blättern des Künstlers parallel zur Ausstellung Höllrigl/Pankoks vorgestellt.

Bilder zur Ausstellung

Details

Typ
Wanderausstellung
Beteiligte
Kurator*in: Simone Schaufelberger-Breguet, St. Gallen
Kurator*in: Peter E. Schaufelberger-Breguet, St. Gallen

9 Kunstwerke aus der Museumssammlung in der Ausstellung

Alois Karl Höllrigl
"3 Zeichnungen aus der Schulhöfli-Zeit" (10a.-c.) (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Kugelschreiber auf Papier (Fotokopie, auf Halbkarton geklebt)
1968/71
Inventar-NR. oam_0015931
Alois Karl Höllrigl
Ohne Titel
Blumenmotive (Schulhöflizeit) (7a.-g.) (Beschreibender Titel)
Kugelschreiber auf Papier (auf Halbkarton geklebt)
1970
Inventar-NR. oam_0015928
Alois Karl Höllrigl
"3 Vogelskizzen" (6a. und b. (Schulhöflizeit), 6c.) (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Mischtechnik auf Papier (Filzstift, Kugelschreiber, auf Halbkarton geklebt)
1968/71 (a, b) / 1980 (c)
Inventar-NR. oam_0015927
Alois Karl Höllrigl
Ohne Titel
Porträts (Schulhöflizeit) (9a.-h.) (Beschreibender Titel)
Kugelschreiber auf Papier (auf Halbkarton geklebt)
circa 1973
Inventar-NR. oam_0015930
Alois Karl Höllrigl
Ohne Titel
Pflanzenmotive (8a.-l.) (Beschreibender Titel)
Mischtechnik (Kugelschreiber, Filzstift auf Kassenzettel und Notizzettel)
1968/71/79
Inventar-NR. oam_0015929
Alois Karl Höllrigl
Ohne Titel
Fünf Vogelskizzen (Schulhöflizeit) (4a.-4e.) (Beschreibender Titel)
Kugelschreiber auf Papier (auf Halbkarton geklebt)
1968/71
Inventar-NR. oam_0015925
Alois Karl Höllrigl
Ohne Titel
Zwei Physiognomien (Schulhöflizeit) (16a.-b.) (Beschreibender Titel)
Kugelschreiber auf Papier (auf Halbkarton geklebt)
1968 - 1971
Inventar-NR. oam_0015937
Alois Karl Höllrigl
Ohne Titel
Mehrköpfiger Vogel / Mehrköpfige Pflanze (Schulhöflizeit) (18a.-b.) (Beschreibender Titel)
Filzstift und Kugelschreiber auf Papier
1971
Inventar-NR. oam_0015939
Alois Karl Höllrigl
"Wieder Belebungsversuche" (3a.-3c.) (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Fotokopien (überzeichnet, auf Halbkarton geklebt)
1968 - 1972
Inventar-NR. oam_0015924
Alois Karl Höllrigl
"3 Zeichnungen aus der Schulhöfli-Zeit" (10a.-c.) (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Kugelschreiber auf Papier (Fotokopie, auf Halbkarton geklebt)
1968/71
Inventar-NR. oam_0015931
Alois Karl Höllrigl
Ohne Titel
Blumenmotive (Schulhöflizeit) (7a.-g.) (Beschreibender Titel)
Kugelschreiber auf Papier (auf Halbkarton geklebt)
1970
Inventar-NR. oam_0015928
Alois Karl Höllrigl
"3 Vogelskizzen" (6a. und b. (Schulhöflizeit), 6c.) (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Mischtechnik auf Papier (Filzstift, Kugelschreiber, auf Halbkarton geklebt)
1968/71 (a, b) / 1980 (c)
Inventar-NR. oam_0015927
Alois Karl Höllrigl
Ohne Titel
Porträts (Schulhöflizeit) (9a.-h.) (Beschreibender Titel)
Kugelschreiber auf Papier (auf Halbkarton geklebt)
circa 1973
Inventar-NR. oam_0015930
Alois Karl Höllrigl
Ohne Titel
Pflanzenmotive (8a.-l.) (Beschreibender Titel)
Mischtechnik (Kugelschreiber, Filzstift auf Kassenzettel und Notizzettel)
1968/71/79
Inventar-NR. oam_0015929
Alois Karl Höllrigl
Ohne Titel
Fünf Vogelskizzen (Schulhöflizeit) (4a.-4e.) (Beschreibender Titel)
Kugelschreiber auf Papier (auf Halbkarton geklebt)
1968/71
Inventar-NR. oam_0015925
Alois Karl Höllrigl
Ohne Titel
Zwei Physiognomien (Schulhöflizeit) (16a.-b.) (Beschreibender Titel)
Kugelschreiber auf Papier (auf Halbkarton geklebt)
1968 - 1971
Inventar-NR. oam_0015937
Alois Karl Höllrigl
Ohne Titel
Mehrköpfiger Vogel / Mehrköpfige Pflanze (Schulhöflizeit) (18a.-b.) (Beschreibender Titel)
Filzstift und Kugelschreiber auf Papier
1971
Inventar-NR. oam_0015939
Alois Karl Höllrigl
"Wieder Belebungsversuche" (3a.-3c.) (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Fotokopien (überzeichnet, auf Halbkarton geklebt)
1968 - 1972
Inventar-NR. oam_0015924