Leichte Sprache

Der berühmte Schweizer Eisenplastiker Robert Müller (1920–2003) zeigt mit seinen 1975 in der Psychiatrischen Klinik angefertigten Zeichnungen wenig bekannte Seiten. In der Klinik von Trapani/Italien entdeckt er zudem das Werk des Art Brut-Künstlers Giovanni Abrignani (1899–1977). Der Sohn Manuel Müller (*1955) ist autodidaktischer Holzbildhauer und in der Welt der Outsider Art international angesehen. Hingegen sind die surrealistisch anmutenden Bilder seiner Mutter Miriam Müller Shir (1926–2007), einer Goldschmiedin aus New York, noch eine Neuentdeckung. In diesen Familienreigen zwischen Insider und Outsider Art reiht sich die Zeichnerin Gilda Müller (*1992) ein, Tochter Manuel Müllers, die sich mystischen Zwischenwelten widmet.

Künstlerfamilien Künstlerfamilien haben eine besondere Dynamik, insbesondere wenn sich die Künstlerpersönlichkeiten zwischen Insider und Outsider Art bewegen. Alle besitzen ihre unverwechselbare Identität und doch zeigen sich in der Hinwendung zu Techniken und Materialien, in verwandten Themen oder einer existentiellen Haltung die Familienbande. Zwischen Insider und Outsider Art «Vielleicht ist das Gelände zwischen Präzision und Wahnsinn nur die Konstruktion einer Psychotopografie, die es so gar nicht gibt. Es liegt am Betrachter zu entscheiden, was daran plausibel und was daran Poesie ist.» (Markus Brüderlin, Kunsthistoriker/Kurator/Publizist) Als «Eisen-Müller» ist Robert Müller (1920–2003) berühmt geworden und mit seinen Eisenplastiken an internationalen Ausstellungen, den Biennalen in Venedig und São Paulo und der documenta vertreten. Als er 1975 mit dem Kunstbetrieb bricht, gerät er nicht nur in eine tiefe Krise, die ihn in die psychiatrischen Kliniken von Trapani/Italien und Cery bei Lausanne führt, sondern er katapultiert sich mit den dort entstehenden Arbeiten auch ins künstlerische Outside. Nach all den Erfolgen ist er ein Suchender, der in der inneren Emigration sich und seinen Ausdruck noch finden will. Zugleich entdeckt er in Trapani das Werk des Art Brut-Künstlers Giovanni Abrignani (1899–1977), das er, fasziniert von dessen freien Bildsprache, umgehend aufkauft. Porträts seiner Frau Miriam Müller Shir (1926–2007) reflektieren ihre Beziehung, während Miriam Müllers eigene surreale Miniaturbilder immer autobiografische und familiäre Bezüge aufweisen, mit denen sie an Frida Kahlo erinnern. Auch ihr Werk steht outside des Kunstbetriebes und ist noch eine Neuentdeckung. Aufgewachsen in New York ist sie eine vielversprechende junge Malerin sowie ausgebildete Goldschmiedin und Keramikerin, als sie Robert Müller in Paris trifft und 1954 heiratet. Der Kurator Harald Szeemann ist dem Paar eng verbunden und ihre Freundschaft ist in einer kleinen Goldschmiedearbeit Miriams verewigt. Der gemeinsame Sohn Manuel Müller (*1955) ist autodidaktischer Holzbildhauer und in der Welt der Outsider Art international angesehen. Vielleicht aus Abgrenzung zum bekannten Vater, vielleicht nach dessen Enttäuschung skeptisch gegenüber dem Kunstmarkt, hat er sich nie in den Kunstbetrieb begeben und ist immer ein künstlerischer «Eigengänger» geblieben. Finden sich auch Parallelen zwischen Vater und Sohn, fühlt er sich dem Wesen der Mutter und ihrem Werk näher. In diesen Familienreigen reiht sich Gilda Müller (*1992) ein, Tochter Manuels, die sich zeichnend mystischen Zwischenwelten widmet. Vom Grossvater über den Vater hat sie zudem die Liebe zu alten Schriften übernommen. Zur Entstehung der Ausstellung 2017 zeigte das Kunstmuseum Solothurn die Ausstellung «Eine Künstlerfamilie. Robert, Miriam und Manuel Müller» mit Betonung ihrer eigenständigen Positionen. Das Museum im Lagerhaus erweitert das Thema um ein Crossover zwischen Insider und Outsider Art und setzt die Arbeiten in einen Dialog.

Bilder zur Ausstellung

Details

Typ
Gruppenausstellung
Beteiligte
Kurator*in: Monika Jagfeld, St. Gallen

3 Kunstwerke aus der Museumssammlung in der Ausstellung

Giovanni Abrignani
Ohne Titel
Heilige Familie (Beschreibender Titel)
Farbstift, Kugelschreiber auf Krankenaktenpapier
um 1967 - 1975
Inventar-NR. oam_0000016
Robert Müller
"Taphos" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Filzstift auf Papier (Schrenzpapier)
1975
Inventar-NR. oam_0018309
Robert Müller
Ohne Titel
rot und blau (Beschreibender Titel)
Filzstift auf Papier
1975
Inventar-NR. oam_0018311
Giovanni Abrignani
Ohne Titel
Heilige Familie (Beschreibender Titel)
Farbstift, Kugelschreiber auf Krankenaktenpapier
um 1967 - 1975
Inventar-NR. oam_0000016
Robert Müller
"Taphos" (Titel gemäss Aufschrift / Inschrift)
Filzstift auf Papier (Schrenzpapier)
1975
Inventar-NR. oam_0018309
Robert Müller
Ohne Titel
rot und blau (Beschreibender Titel)
Filzstift auf Papier
1975
Inventar-NR. oam_0018311