Spurensuche – Nannetti und Cuno Affolter
Ort: Museum im Lagerhaus, St. Gallen
Ein steinernes Buch unter freiem Himmel hat Fernando Oreste Nannetti (1927–1994 ) hinterlassen. Mit einer Gürtelschnalle kratzte Nannetti seine visionären Texte in die Mauern des Ospedale psichiatrico in Volterra (Italien), wo sie heute verwittern. Über 70 Meter Länge bedeckt die Schrift mehrere Wände des Innenhofes der Anstalt. Nannetti sprach mit niemandem, behauptete jedoch, elektromagnetische Wellen zu verspüren und notierte täglich die Botschaften, die er durch Telepathie empfing. Acht Jahre lang (1959–1961 und 1968–1973) hat er an diesem monumentalen Werk gearbeitet.
Mario del Curto (Lausanne) ist den Spuren Nannettis in stimmungsvollen Fotografien nachgegangen, während die Dokumentation von Pier Nello Manoni (Volterra) und eigens angefertigte Faksimiles den ausserordentlichen Charakter dieses ungewöhnlichen Werkes vermitteln. Die Ausstellung ist eine Übernahme von der Collection de l’Art Brut in Lausanne. Parallel dazu versetzt Cuno Affolter (*1958, Lausanne) eine Installation, die in seiner Wohnung ein komplettes Zimmer füllt, ins Museum. Für ihn ist dieses Arbeiten Therapie: Mit unzähligen Fundstücken geht er auf Spurensuche seiner selbst. Wichtiges Moment seiner Arbeit im ‹Therapiezimmer› ist sein systematischer Ordnungsdrang, mit dem er die Objekte zu einer sorg samen Struktur vereint. Oder er fügt sie zu abstrakten wie symbolträchtigen Figuren zusammen. Wo Cuno Affolter seine Spuren in Objekten ‹dingfest› zu machen sucht, materialisiert Nannetti die telepathisch empfangenen Botschaften im Stein.
Details
Co-Kurator*in: Monika Jagfeld, St. Gallen





