Karl Maximilian Würtenberger
Ort: Museum im Lagerhaus, St. Gallen
Der „vergessene“ Keramikkünstler vom Bodensee Eine besondere Würdigung erhält Karl Maximilian (Karlmax) Würtenberger aus Emmishofen TG. Noch nie wurde sein plastisches Werk seinen Zeichnungen gegenübergestellt, die in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau bei Achern in Baden-Württemberg entstanden und heute ebenfalls in der Sammlung Prinzhorn aufbewahrt sind.
Im Oktober 1892 folgt Karlmax seinem Malerbruder Ernst Würtenberger an die Kunstakademie München und 1897/98 nach Florenz. Er teilt auch dessen tiefe Verehrung für Arnold Böcklin. 1904 tritt Karlmax Würtenberger in die Großherzogliche Majolika-Manufaktur Karlsruhe ein, nachdem er schon einige Zeit für sie in loser Verbindung tätig war. Schon ein Jahr später scheidet er wegen „Gemütsleiden“ aus, liefert aber offiziell noch bis 1909 Entwürfe. Jedoch wird über die Unverkäuflichkeit seiner Werke geklagt und besonderen Unwillen erregen seine viel zu hohen Aufwendungen. Anspruchslosere Gebrauchskeramiken sind gewünscht. 1909 wird die Zusammenarbeit endgültig beendet und Würtenbergers Arbeiten werden fast vollständig aus der Produktion genommen. Seine erste psychische Krise noch während des Studiums 1893 führt zur kurzen Einweisung ins Bellevue Kreuzlingen und von dort in die Illenau. Neunmal in Folge kommt er in die Illenau und bleibt nach 1910 über 23 Jahre ununterbrochen in der Anstalt. Als Würtenberger 1933 in der Illenau stirbt, erinnert sich kaum jemand an den Keramikkünstler vom Bodensee. Für die Kunstwelt gilt er bereits zwanzig Jahre vorher mit seinem letzten Eintritt in die Illenau als „lebendig begraben“. Von seinem Werk kennt man vor allem die Arbeiten für die Grossherzogliche Majolika-Manufaktur in Karlsruhe. Der Öffentlichkeit unbekannt ist ein Konvolut von 75 kleinformatiger Zeichnungen und Gouachen, das von der Illenau an Hans Prinzhorn nach Heidelberg geschickt wird. Tatsächlich arbeitet Karlmax Würtenberger aber auch in der Illenau weiter künstlerisch und wird dabei von der Anstalt unterstützt. Er zeichnet nicht nur, sondern modelliert auch weiterhin. Er erhält freien Ausgang, um nach der Natur zeichnen zu können, besucht 1910 in Baden eine Ausstellung und kann auch 1924 noch den Kontakt zur Karlsruher Majolika-Manufaktur aufrechterhalten und diese über sein Schaffen informieren. Er stellt sogar aus. 1928 wird eine „Kollektion seiner Produkte an einen guten Bekannten u. Kunstfreund in Konstanz zur Ausstellung geschickt“. Einige Werke werden verkauft, darunter eine Porträtbüste von Ernst Thoma, dem Direktor der Illenau 1917 bis 1929. Mit dieser Terrakotta beteiligt sich Würtenberger erfolgreich an der Karlsruher Bund-Ausstellung Anfang 1929. Die in der Sammlung Prinzhorn erhaltenen Zeichnungen stellen also nicht eine Werkgruppe neben seinem professionellem Œuvre dar, sondern sie sind dessen Fortführung und vielmehr als Skizzen für seine Keramiken gedacht. Parallelen zwischen den gezeichneten Motiven und keramischen Ausführungen belegen dies. Würtenberger „modelliert eine sehr gelungene Reiterstatue von Napoleon und ein Tellerrelief“ heisst es in der Patientenakte 1911. Und noch in seinen letzten Lebensjahren „arbeitet [er] mit viel Geschick beruflich als Plastiker“ (1929). Die Ausstellung zwingt, das „Anstaltswerk“ in sein professionelles Kunstschaffen zu integrieren. So ist zu vermuten, dass bis heute nicht verortete Arbeiten in der Illenau entstanden sind.




