Paul Stamm
1904 – 2000
Als ausgebildeter Architekt lernt Paul Stamm das Zeichnen, doch zeitlebens malt er auch, vorwiegend Aquarelle. Schon früher, aber insbesondere in den letzten Jahren seines Lebens findet sich, neben den realistischen Landschaftsdarstellungen, Abgründiges und Fantastisches in seinen Arbeiten. Stamms Bilder sind bevölkert von geflügelten Wesen – Geistern, Engeln oder Elfen –, die durch die Lüfte fliegen oder in den Bäumen sitzen. Sie sind von einer Naturmystik beseelt und zeigen seine Faszination für Mythologie und Sagen. Künstlerische Vorläufer dazu sind in den fantastischen Werken eines Johann Heinrich Füssli, William Blake oder Richard Dadd sowie im Symbolismus zu finden.
In Le Corbusiers Büro
Der gebürtige Basler studiert 1924 bis 1928 an der TU Stuttgart und wird dort zunächst von der so genannten ‹Stuttgarter Schule› beeinflusst. Ende der zwanziger Jahre arbeitet er ein halbes Jahr im Büro Le Corbusiers in Paris und kommt dort in direkte Berührung mit den Ideen der Moderne. Von den späten 1940er bis Mitte der 1950er Jahre macht sich Paul Stamm schliesslich als Architekt selbständig und arbeitet danach als Lehrer an einer Gewerbeschule.
Malerei im Privaten
Die Malerei begleitet Paul Stamm sein Leben lang, doch verharrt sie immer im Privaten. Beim im Stuttgart tätigen Jugendstilmaler Karl Schmoll von Eisenwerth erlernt Stamm während der Zeit seines Architekturstudium das Figurenzeichnen, Aquarellieren und dekoratives Entwerfen. Die Aquarellmalerei bleibt Stamms Metier. Es sind vor allem locker aufs Papier gesetzte Landschaftsdarstellungen, mit denen er flüchtige atmosphärische Stimmungen einfängt. Abgründiges findet sich in den ‹Nightmare›-Bildern seiner letzten Jahre, die Stamms Faszination für Mythologie und Sagen zeigen.
Paul Stamms Werk ist eigenwillig. Dennoch kann es in einen kunsthistorischen Kontext gestellt werden: Der schweizerisch-englische Maler Johann Heinrich Füssli (1741-1825, in England als Henry Fuseli bekannt) greift zum Beispiel die Welt des ‹Nachtmahrs›, der Träume und Visionen auf. Auf die dunklen Seiten des Unbewussten, aber auch die seelische Tiefe des Erhabenen beziehen sich verschiedene Künstler des Symbolismus um 1900 und später im Surrealismus.
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