Al-Mahjoub Jaber
05.01.1938 (M’Saken, Tunesien) – 2021 (Paris, Frankreich)
Bäcker, Schlagzeuger und Künstler
Jaber wird im Januar 1938 in M’Saken, nahe Sousse in Tunesien, geboren. Sein eigentlicher Name ist Jaber al-Majoub, was auf Arabisch „der Gesegnete“ bedeutet. In seiner Kindheit ist er in seiner Hirtenfamilie für die Esel verantwortlich. Er verliert früh seine Eltern und wird von seiner ältesten Schwester aufgezogen, besucht jedoch nie die Schule. Mit 18 Jahren wandert Jaber nach Frankreich aus, wo er sich in Marseille durchschlägt und schließlich nach Paris zieht. Dort findet er Arbeit als Bäcker und beginnt, während der langen Nächte in der Bäckerei, mit Kohle auf die Wände zu zeichnen und Brötchen in Form von Vögeln und Fischen zu backen.
Auf der Suche nach besserer Bezahlung bewirbt er sich als Boxer, doch er merkt schnell, dass das Boxen ihm keinen Spass macht. Eines Tages landet er versehentlich in einem Tonstudio und beeindruckt als Ersatz für einen fehlenden Schlagzeuger. Dies ermöglicht ihm später Aufnahmen für Pathé Marconi und eine Ausbildung am Petit Conservatoire de Mireille. Neben seiner Tätigkeit als Sänger beginnt Jaber Gouachen zu malen und verkauft diese rund um St. Michel. Ende der 60er-Jahre wird er von einer wohlhabenden Amerikanerin entdeckt und in die USA mitgenommen, wo sie heiraten. Die Ehe scheitert, und Jaber kehrt nach Paris zurück.
Bereichert durch seine Erfahrungen in Amerika mietet er sich gegenüber dem Centre Georges Pompidou ein und stellt dort seine Bilder aus. Er bevorzugt es jedoch, direkt zu verkaufen. Lange lebt und arbeitet Jaber in Paris, malt nachts, schläft morgens und verkauft nachmittags seine Werke. Großzügig verteilt er nicht verkaufte Bilder an Passanten und bleibt misstrauisch gegenüber Fremden. Jaber umgeht das islamische Verbot der Darstellung von Menschen, indem er Figuren in Landschaften verwandelt und Symbole verwendet, die auf seine Heimat Tunesien verweisen. Seine Werke sind leicht erkennbar durch ihre Beschriftungen und thematisieren den täglichen Überlebenskampf. Jabers Kunst ist eigenständig und voller Emotionen, Poesie und Wärme, und seine Werke sind in bedeutenden Sammlungen weltweit vertreten, darunter in Chicago, Lausanne und New York. Jaber verstirbt 2021 in Paris.
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