Adelheid Duvanel
1936 – 1996
Am 23. April 1936 wird Duvanel, mit Mädchennamen Feigenwinter, in Pratteln bei Basel geboren. Schon als junges Mädchen schreibt und zeichnet sie, verfasst Bildgeschichten und kleine Theaterstücke. Die gutbürgerlichen Eltern – der Vater ist Obergerichtsschreiber und später Strafgerichtspräsident am Gericht Liestal – fördern wohlwollend das «Wunderkind».
Die junge Adelheid Duvanel beschäftigen speziell Porträts. «Ich zeichnete namentlich Kin-dergesichter mit unwahrscheinlich grossen, traurigen Augen – es waren die Flüchtlinge, deren Schicksal mich ergriff», hält sie in einer frühen Autobiografie fest. Daneben entstehen Selbstbildnisse oder auch Porträts der Geschwister.
Der Versuch einer Ausbildung an der Kunstgewerbeschule scheitert jedoch.
Mit siebzehn Jahren wird sie nach einem Suizidversuch in die Psychiatrische Universitätsklinik Basel eingewiesen. Als «schizophren» diagnostiziert, wird Adelheid Duvanel, wie zu jener Zeit noch üblich, mit Elektroschocks und Insulinspritzen behandelt.
Sie erlebt in dieser Zeit einen kreativen Schub intensiven Arbeitens als Schriftstellerin und Malerin. Unter dem Pseudonym «Judith Januar» beginnt Duvanel nach ihrer Entlassung aus der Klinik im Feuilleton der Basler Nachrichten Texte zu veröffentlichen; sie ist an einer Ausstellung beteiligt und verkauft ihr erstes Bild.
Duvanel verkehrt nun häufig im Basler Musikcafé «Atlantis», wo sie – schwarz gekleidete Existenzialistin und Einzelgängerin – oft in sich gekehrt dasitzt, Sartre und Simone de Beauvoir lesend.
Einen Einschnitt in ihr Werk bringt 1962 die Ehe mit dem Maler Joseph Duvanel (1933-1986), für den sie das Malen und Zeichnen aufgibt. Die Ehe sollte die junge Frau aus dem konservativen Elternhaus befreien, doch wird sie stattdessen zu einem emotionalen Gefängnis. Joseph (Joe) Duvanel richtet sich ein Parallelleben zur Ehe ein, gründet eine weitere Familie und holt diese ins Haus. Adelheid Duvanel wehrt sich nicht, erträgt diese Lebenssituation über Jahre hinweg und leidet hilflos an fortwährenden Demütigungen. Ihre über den Tod hinaus reichende Bindung an ihn – Joe begeht am 21.12.1986 Suizid – zeigt sie mit dem Blatt «Die Witwentracht» (10.11.1983).
Im Februar 1982 wird die Ehe von Adelheid und Joe Duvanel geschieden. Erst mit der Trennung von ihrem Mann findet die Schriftstellerin in der Sicherheit der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel wieder zu ihrem bildkünstlerischen Ausdruck zurück.
Neben dem malenden Ehemann durften ihre Bilder nicht bestehen. Nun drängen sie nach rund zwanzigjähriger Pause verstärkt aufs Papier.
Adelheid Duvanel stirbt 1996, im Alter von sechzig Jahren. Unter dem Einfluss von Medikamenten erfriert sie in einer ungewöhnlich kalten Sommernacht, vom 7. auf den 8. Juli, im Wald.
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