Saï Kijima
20.12.1952
Saï Kijima ist am 20. Dezember 1952 in Nanatsue geboren, einem kleinen Küstenort in der Nähe von Nagasaki auf der japanischen Insel Kyūshū. Anstatt in die Fussstapfen seines Vaters und Grossvaters zu treten und Arzt zu werden, entscheidet er sich, den Menschen auf eine ganz andere Weise zu helfen. Er studiert Schauspiel und Tanz in Tokyo an der National University of Arts, unter anderem bei Meister Michizo Noguchi, Begründer der japanischen Tanzform und Körperarbeit Noguchi Taiso, und bildet sich fort im Method Acting bei Zen Hirano, einem Mitglieder der New Yorker Schauspielwerkstatt The Actors Studio. Saï Kijima steht eine steile Schauspielkarriere offen. Er arbeitet als Schauspieler für Theater, Film und Fernsehen. Jedoch entsagt er dieser „Welt der Eitelkeiten“ und entscheidet sich für einen anderen Weg. Dieser führt ihn mit 27 Jahren nach Europa, zuerst für drei Monate in die Schweiz, nach Fribourg, und im August 1980 nach Paris, um sich an der École Jacques Lecoq vertieft der Pantomime und dem Bewegungs- und Körpertheater zu widmen. Hier beginnt er mit Formen des Strassentheaters zu experimentieren und entwickelt eine ganz neue Bewegungs- und Ausdrucksform.
Kalado nennt sich diese Form des ganzheitlichen Körpererlebens, die Saï Kijima entwickelt hat und im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert. Er widmet sein Leben dieser Bewegungskunst. Es ist ein auf die Körperwahrnehmung konzentrierter, sinnlicher Tanz ohne technisches Korsett. In Kalado verbinden sich Kunst, Tanz, Körperarbeit, worin auch die Stimme zu ihrem vollen Klang kommt, mit Körperbewusstsein, innerer Haltung und der Lehre von Achtsamkeit und Leere. Es geht darum, die eigene Wahrnehmung zu vertiefen und zur Übereinstimmung von Geist und Körper zu gelangen. Eine Verbindung zwischen uns und unserem inneren Selbst zu schaffen und den eigenen Weg und persönlichen Raum durch das bewusste Erleben des Körpers in der Bewegung zu finden. Saï Kijimas Botschaft ist nicht mit einem religiösen oder kulturellen System verbunden, steht aber in Zusammenhang mit traditionellen japanischen Künsten und Praktiken, mit Aikidō und der Lehre des Zen-Buddhismus. Kalado sei ein natürlicher Prozess, der keine besonderen Fähigkeiten oder Talente erfordere, jeder Einzelne von uns könne es, sagt Saï Kijima. Es brauche lediglich Freude, Körper und Seele zu bewegen. Dass er darin grosse Fertigkeit und viel Anmut besitzt, sieht und hört man bei seinen Performances.
Gestalterisch tätig war Saï Kijima schon immer. In Paris kreiert er erstmals Puppen aus Holz und Materialien des täglichen Lebens.
1986 zieht er von Paris zurück in die Schweiz, nach Biel, 1987 kommt er in Basel an. Bei einer Performance reisst die Achillessehne. Saï Kijima wird operiert und muss für längere Zeit im Krankenhaus bleiben. Um sich die Langeweile im Krankenbett besser vertreiben zu können, schenkt ihm ein Freund ein Zeichenbuch und Malutensilien. Das bedeutet eine wichtige Wende in seinem Leben und ist der Beginn seiner Karriere als bildender Künstler. Nun wendet sich Saï Kijima intensiv dem bildkünstlerischen Schaffen zu und es folgen erste Ausstellungen.
Er malt, zeichnet, collagiert, formt und erschafft Wesen, die sich ihm in ihrer charakteristischen Individualität einfangen lassen. Seine künstlerische Energie und inspirative Kraft ist unerschöpflich, lebt von der Vielfalt unterschiedlicher Ausdrucksformen. Das kreative Wirken durch alle möglichen Kunstformen ist für sein künstlerisches Selbstverständnis von zentraler Bedeutung. In seinen Arbeiten verbinden sich Schauspiel, Tanz, Musik und bildende Kunst in berührender und belebender Weise. Saï Kijima schlägt die Brücke zwischen den Kunstarten und setzt alles auf einzigartige, facettenreiche Weise um. Oft bezieht er seine Puppen in seine Performances mit ein. Sinnliches und Meditatives vereinen sich in der figurativen Darstellung von menschlichen Emotionen und Beziehungen zu einem harmonischen und spannungsreichen Werk.
Der Fasnachtsbegeisterte und Piccolospieler Saï Kijima lebt und arbeitet bis heute in Basel. Er reist viel um die Welt, stellt seine Werke aus und gibt Workshops, Performances und Konzerte. Vor zwanzig Jahren besuchte er erstmals Griechenland und kehrt fortan mehrmals jährlich hierher zurück. Viele seiner Arbeiten entstammen deshalb ideell der griechischen Mythologie oder materiell angespült aus dem Meer und dem Land dieser Heimat der antiken Götter.
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